[Rezension] "Good Night Stories for Rebel Girls - 100 außergewöhnliche Frauen" - Elena Favilli & Francesca Cavallo

Good Night Stories for Rebel Girls - 100 außergewöhnliche Frauen - Elena Favilli & Francesca Cavallo - Hanser Verlag* - 224 S. - 24,00€ - ISBN: 978-3-446-25690-3


100 Geschichten über 100 beeindruckende Frauen, die die Welt bewegen – eine spannende Lektüre, illustriert von über 60 Künstlerinnen aus aller Welt

Sie sind ins All und über den Atlantik geflogen, haben den Erdball schon mit 16 umsegelt und die höchsten Gipfel in Röcken bestiegen. In allen Ländern und zu allen Zeiten gab es Frauen, die mutige Vorreiter waren, neugierige Entdeckerinnen, kluge Forscherinnen und kreative Genies. Herrscherinnen, die unter widrigsten Umständen ihre Länder regierten, Aktivistinnen, die gegen Ungerechtigkeit protestierten, Wissenschaftlerinnen, die unbekannte Pflanzen und gefährliche Tiere erforschten. Dieses Buch versammelt 100 inspirierende Geschichten über beeindruckende Frauen, die jedem Mädchen Mut machen, an seine Träume zu glauben. Eine spannende Lektüre, illustriert von über 60 Künstlerinnen aus aller Welt. via

An alle rebellischen Mädchen
dieser Welt:
Träumt größer
Zielt höher
Kämpft entschlossener
Und im Zweifelsfall merkt auch:
Ihr habt Recht.

Ich war Feuer und Flamme, als mir „Good Night Stories for Rebel Girls“ zum ersten Mal aufgefallen ist – und noch mehr, als ich gesehen habe, dass es auf Deutsch erscheint. Darauf habe ich gewartet und ich freue mich schon drauf, die Geschichten demnächst zwei rebellischen Minimenschen vorzulesen. An dieser Stelle muss ich aber auch direkt meinen ersten Kritikpunkt anbringen – ich finde es schade, dass das Buch sein Zielpublikum mit der Formulierung „for Rebel Girls“ so einschränkt. Natürlich sollte sich niemand davon abbringen lassen, die Geschichten allen Kindern vorzulesen, aber ich finde geschlechtsspezifische Vermarktung immer ein bisschen schade. Auf dem Blog buuu.ch wird angemerkt, dass der Titel mit „of Rebel Girls“ bzw. „von rebellischen Mädchen“ passender gewesen wäre – dem kann ich nur zustimmen. Dort findet sich außerdem auch ein Urteil aus Kinderperspektive. 


Auch musste ich manchmal ein wenig schlucken, weil natürlich viele Frauen dabei sind, die kontrovers betrachtet werden können – von Profiteurinnen des Kolonialismus (besonders makaber, wenn wenige Seiten später eine Kriegerin oder Aktivistin gegen ebenjene genannt wird) bis hin zu fragwürdigen Politikerinnen ist vieles dabei. Da die Texte mit einer Seite sehr verkürzend sind und das kritische Bewusstsein bei Kindern selbstverständlich noch nicht auf dem Level eines erwachsenen Menschen sein kann, kann ich dem dennoch einiges abgewinnen und sehe in den meisten Fällen ein, dass die Frauen für ihre Zeit und ihre Umstände beachtenswerte Schritte gegangen sind.
Bei einem Text allerdings musste ich mich dann doch sehr wundern: Ruth Harkness ist als „Tierschützerin“ genannt. Gelebt hat sie von 1900 – 1947 in den USA und ihr Verdienst war, es als erste Person geschafft zu haben, einen Panda aus China zu stehlen. Ja, richtig. Sie fand ein Pandababy in einer Höhle und war so nett, es nicht in einem Käfig zu transportieren, sondern in einem Pelzmantel (erwähnte ich „Tierschutz“?) auf dem Arm. In den USA sorgte sie dann wohl für „artgerechte“ Haltung – ein Pandababy zu stehlen, es komplett von Artgenossen und natürlicher Umgebung zu entfernen und dann in einen Käfig zu sperren ist also – ich erwähne es noch einmal – Tierschutz… wow. So kritisch man auch einige der Persönlichkeiten betrachten muss – mit Ruth Harkness wurde einfach gänzlich das Thema verfehlt und ich kann diese Wahl überhaupt nicht nachvollziehen. Deshalb würde ich allen Vorlesenden sehr ans Herz legen, die Texte kritisch zu beleuchten und auch mit den Kindern kindgerecht kritisch darüber zu reden.


Jetzt habe ich wirklich viel kritisiert, dabei finde ich das Buch eigentlich wirklich gut. Das fängt beim Aufbau schon an – jeder Frau sind zwei Seiten gewidmet. Auf einer Seite wird erzählt, was sie gemacht hat und auf der anderen Seite sind immer wunderschöne Illustrationen, die alle von unterschiedlichen Künstler_innen sind. Neben Beruf(ung) finden sich zu jeder Frau der Geburtstag, ggf. der Todestag und das Heimatland, sodass es sehr übersichtlich bleibt.

Da mir die Diversität der Auswahl sofort positiv aufgefallen ist, habe ich mich daran versucht, alle Länder und weitere Aspekte rauszuschreiben. Wenn ich mich nicht verzählt habe, werden Frauen aus insgesamt 43 Ländern genannt. Von den 100 sind mit 28 die meisten aus den USA, gefolgt von 9 englischen Frauen, 6 italienischen und 5 deutschen. Aus den meisten Ländern wird je eine Persönlichkeit genannt. 

Auch habe ich versucht, zu schauen, wie viele der Frauen weiß, wie viele Schwarz und wie viele Women of Colour sind. Ich bin mir bei einigen nicht 100% sicher, aber die Tendenz wird so schon stimmen - das Verhältnis weiß – nicht-weiß ist ziemlich 50:50, wovon dann noch 18 Schwarze Frauen beinhaltet sind. Außerdem haben – zumindest nach den Textinformationen – zwei der Frauen körperliche Behinderungen und ein Mädchen ist trans.


Diese Vielfältigkeit finde ich großartig! Trotz meiner Kritikpunkte kann ich diesem Buch nur Anerkennung zollen, da es ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung ist. 
Was mir außerdem sehr gut gefällt, sind die zwei leeren Seiten am Ende des Buches, damit jedes Kind sich selbst hinzufügen und seine eigene Geschichte schreiben kann.

Dazu glaube ich, dass es nicht nur etwas für Kinder ist – ich habe die Geschichten unglaublich gerne gelesen und habe mich über jede mir unbekannte Frau gefreut, weil sie mich ausnahmslos alle neugierig gemacht haben. Ich musste das Buch alle paar Seiten weglegen, um die jeweilige Frau nochmal näher zu recherchieren, weil vieles davon einfach unglaublich spannend und interessant ist - von Wissenschaftlerinnen zu Musikerinnen zu Sportlerinnen zu Schriftstellerinnen und Kämpferinnen ist wirklich alles dabei. Ich glaube, jeder Mensch kann hier mindestens ein Vorbild finden - und insbesondere als Kind kann es nur wertvoll sein, zu wissen, dass Träume wichtig sind und wahr werden können. 


„Good Night Stories for Rebel Girls“ ist kein makelloses Buch – aber dennoch eines, das ich sehr gerne als Kind gelesen hätte. Die Vielfältigkeit der ausgewählten Frauen ist außerordentlich gelungen! Ich kann es definitiv empfehlen, wenn auch mit einem offenen, kritischen Auge beim (Vor-)Lesen. Von mir gibt es 4 von 5 Sternen – ich freue mich schon auf den zweiten Teil! 

Kommentare

  1. Danke für die ausführliche Rezension. Ich hab lange überlegt, ob das Buch etwas für meine Kinder ist und denke, wir werden es den drei jetzt besorgen.
    LG
    Eva

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    1. Ich glaube wirklich, dass es jedes Bücherregal bereichert. :) Vielleicht berichtest du dann ja, wie es bei deinen Kindern ankam? Würde mich total interessieren. Liebe Grüße!

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  2. Ich habe das Buch jetzt schon öfter auf Instagram gesehen und finde das Konzept sehr interessant. Die Illustrationen sind einfach total schön, aber ich finde die Diversität des Buches auch sehr toll. Vielleicht werde ich es mir zulegen. :)

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