Thalia, der Kopp-Verlag und warum ich dort keine Kundin mehr bin

Gestern las ich diesen Artikel, der mich ziemlich ungläubig zurückgelassen hat. Ich habe Thalia ohnehin schon nicht sehr gern, das gebe ich zu. Darüber hatte ich hier schon einmal geschrieben. Aber ich bestelle dennoch öfter online meine Bücher auf Thalia.de und natürlich kann man es in Bremen nicht umgehen, auch mal in einer der zahlreichen Thalia-Filialen Geld zu lassen. 
Aber damit ist es nun erstmal vorbei. Nicht nur, dass Thalia hetzerische und rassistische Bücher bewirbt - nein, das Ganze geschieht auch noch in meiner Stadt. Ohne mich. 
Der Kopp-Verlag führt zum Beispiel Bücher mit dem Titel "Böse Gutmenschen", "Die Asyl-Industrie", "Lügenpresse", "Massenmigration als Waffe" und "Mekka Deutschland - Die stille Islamisierung". Muss ich wirklich mehr sagen? 
Die Geschäftsführung habe das damit begründet: 
„Vielmehr geht es uns bei der Auswahl der Titel, die in der Rubrik ‚Aktuelles‘ zu finden sind, um eine ausgewogene Mischung verschiedenster Perspektiven zu einem aktuell diskutierten Thema, sodass Leser die Möglichkeit haben, sich umfassend zu einem Thema zu informieren, sich mit verschiedenen Blickwinkeln auseinanderzusetzen und sich so eine eigene Meinung zu bilden.“ Dazu gehörten auch Buchtitel, die „umstritten“ seien. (s. taz)
Also das typische Meinungsfreiheitsgelaber. Liebe Leute, ich sag euch mal was. Mit Meinungsfreiheit hat die Verbreitung hetzerischer, rassistischer, ängste-schürender, islam- und 'fremden'feindlicher Bücher nichts zu tun. Dabei ist das eigentlich Schlimme ja nicht einmal, dass die Bücher geführt werden. Ich habe das Grundgesetz nämlich gelesen und weiß, was Pressefreiheit ist. Das eigentlich Schlimme ist, dass sie aktiv beworben werden. Und der Inhalt dieser Bücher widerspricht einfach so vielen Freiheiten, die laut GG festgesetzt sind, dass "Meinungsfreiheit" da einfach nicht mehr greift. Hinter diesem Werben können meiner Meinung nach nur zweierlei Gründe stecken - entweder wird das, was in diesen Büchern steht, gutgeheißen. Oder aber Thalia ist tatsächlich nur an Profit interessiert. Und letzteres scheint mir fast naheliegender, da ich von mehreren Leuten erfahren habe, dass Thalia "von oben" gesagt bekommt, welche Bücher wo auszustehen haben. Oh, in der Gesellschaft gibt es einen Rechtsruck? Toll, können wir mehr Geld mit Kopp-Büchern machen! 
Macht mal. Gleichzeitig verliert ihr aber auch Kund*innen. 

Jetzt werden sich einige denken "Ja, ist uncool, aber muss man ja nicht übertreiben. Schließlich wird niemand zum Kauf gezwungen und jeder muss selber wissen, was er liest". Ich rate mal ins Blaue, dass jene, die das denken, keiner Minderheit angehören. Zumindest die meisten nicht. Ignorieren können ist ein Privileg und ein Luxus. Darüber schweigen zu können ist ein Privileg und ein Luxus. Ich kann nicht schweigen, wenn aktiv Bücher beworben werden, die meine Existenz als "Bedrohung", "Islamisierung", perfiden Plan und was nicht noch alles darstellen. Und deswegen schweige ich auch nicht. Heute ist es der eine Buchhandel, der die Bücher doch bloß ausstellt oder der AfD-Wähler, der halt eine Flüchtlingsunterkunft anzündet - morgen könnte es etwas ganz anderes sein. Ich mag keine deutsche Familienvergangenheit haben, aber so viel Geschichtsbewusstsein habe ich wohl doch, dass ich so etwas nicht tatenlos hinnehme. 

Thalia wird von mir so lange boykottiert, bis dazu ganz klar Stellung genommen wurde. Und ich fordere alle von euch auf, es mir gleich zu tun. Boykottiert, schreibt darüber, schreibt Thalia, macht Druck. Meine Reaktion, mein ganzer Beitrag dazu, mag euch vielleicht als Überreaktion erscheinen. Aber "Kleinvieh macht auch Mist" kann man nicht nur positiv auslegen - und ich hab von braunem Mist wahrlich genug. 

Weitere Artikel zu dem Thema: 

Nachtrag

Übrigens schreibt Thalia hier etwas von einer Verantwortung gegenüber der Gesellschaft:
Unternehmerische Verantwortung ist in der Thalia Bücher GmbH mit einem klaren Bekenntnis verbunden: Handel(n) mit Herz und Verstand. Unser Unternehmen engagiert sich mit vielen kleinen und großen Aktivitäten und Initiativen. Kulturförderung ist dabei ein fester Bestandteil unserer Ethik. 
Und beim Leitbild heißt es weiterhin:
Unsere Unternehmensethik leben wir aktiv und machen sie für unsere Kunden greifbar, denn: Beim Marktführer zu kaufen heißt für unsere Kunden, dass sie bei uns einfach mehr erwarten können. An diesem Anspruch lassen wir uns messen.
»Wer aufhört, besser zu werden, hat aufgehört, gut zu sein.« – Eduard Mörike
Die Doppelmoral lasse ich jetzt mal für sich sprechen. Ich glaube, jene, die für diesen Vorfall bei Thalia verantwortlich sind, sollten sich das nochmal durchlesen und zu Herzen nehmen.  

Kommentare

  1. Ich finde deine Einstellung verständlich, aber wie du schon sagst bzw. gehört hast: Thalia ist ein Kette, die hauptsächlich am Profit interessiert ist. Da können die Mitarbeiter meist gar nichts dafür, weil die Bücher zugeteilt werden und auf den Tischen der Filiale liegen müssen. Ich arbeite selbst als Aushilfe in einer Thalia-Filiale und weiß aus Erfahrung, dass es den Mitarbeitern ebenso zuwider ist, diese Bücher auszustellen. Dass du die Filialen meiden willst, verstehe ich. Die Frage ist nur, meidest du dann auch Amazon, oder meidest du es sowieso schon? Denn bei Amazon bekommt man ja nun wirklich alles.

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    1. Deshalb schreibe ich auch auf allen möglichen Plattformen, damit es die da oben sehen und überdenken.
      Mir geht es wie gesagt NICHT um das Listen oder das Führen und Amazon bewirbt in meinem Fall ja nach meinem Algorithmus - da erscheint nichts aus dem Kopp-Verlag. Mir geht es um das BEWERBEN. Das sehe ich höchst kritisch und als gefährlich an!

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    2. Deshalb schreibe ich auch auf allen möglichen Plattformen, damit es die da oben sehen und überdenken.
      Mir geht es wie gesagt NICHT um das Listen oder das Führen und Amazon bewirbt in meinem Fall ja nach meinem Algorithmus - da erscheint nichts aus dem Kopp-Verlag. Mir geht es um das BEWERBEN. Das sehe ich höchst kritisch und als gefährlich an!

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    3. Du hast ja vollkommen Recht, aber das ist so ein ähnliches Ding wie die Kleidungs-Ketten, die ihre Sachen von armen Kindern nähen lassen, um sie dann in Deutschland billig zu verkaufen. Das ist das Problem des Kapitalismus (bow, ich klinge schon selbst wie eine Verschwörungstheoretikerin). Man kann nur hoffen, dass sich das jemand von "da oben" mal zu Herzen nimmt und darüber nachdenkt, was da überhaupt verkauft wird. Die Argumente, die Thalia anbringt, sind natürlich mehr als lachhahft. Andererseits ist der KOPP-Verlag auch wirklich nur etwas für ... naja, ich will jetzt nicht Verrückte schreiben, aber wer diese Bücher ernst nimmt, dem ist nicht mehr zu helfen.

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  2. Guckst du ab und zu die Heute-Show? In deren letzter Sendung haben die Leute interviewt, die gerade auf dem Weg zu einer Konferenz vom Kopp Verlag waren. Das sind Menschen, denen mehr als nur eine Murmel im Glas fehlt.
    Und ein Verlag, der sich auf solche Menschen spezialisiert und mit seiner fremdenfeindlichen, antisemitischen und manchmal sogar verfassungsfeindlichen Produktpalette die Paranoia und den Hass dieser Leute noch schürt, hat meiner Meinung nach nix im normalen Buchhandel zu suchen.
    Ich bin da ganz deiner Meinung. Und dabei kann ich noch nicht mal annähernd nachfühlen, wie du als Muslima dich fühlen musst, wenn du so einen Murks ständig hören und lesen musst.

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    1. Es ist Wahnsinn, oder? Ich habe Auszüge gesehen und was da behauptet wird.. Prost, Mahlzeit!
      Danke dir sehr für deinen Zuspruch!

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  3. Ich habe Thalia bisher eigentlich auch nur online genutzt, Filialen gibt es hier in der Gegend nämlich gar nicht, das aber sogar relativ häufig. Damit ist jetzt bei mit natürlich auch Schluss. Das sind mir die paar Gutscheine wirklich nicht wert.
    Diese Sache ist einfach nur unmöglich, mehr kann ich dazu gar nicht sagen, und ich finde es toll, dass du auf so vielen Plattformen darauf aufmerksam machst!

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    1. Wir haben hier viele Filialen, aber ich habe bislang auch meist den Online-Shop genutzt. Not anymore.

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  4. Ich finde die Art der Präsentation tatsächlich auch sehr schwierig. In der Form, in der das präsentiert wird, stehen diese Titel gleichberechtigt neben Büchern, die fundiert recherchiert und sauber argumentiert sind und wirklich einen Beitrag zur Debatte leisten. Nicht jeder weiß, was der Kopp-Verlag ist und nicht jeder merkt beim Lesen, was er da in der Hand hat. Das heißt, diese Ideen werden unter "Unbedarfte" gestreut und das in einer Form, die der Kunde erstmal als besondere Empfehlung wahrnimmt.
    Mitunter werden solche Logenplätze "verkauft", gegen bessere Rabatte oder einen Werbekostenzuschuss. Ob das in diesem Fall auch so war, kann ich natürlich nicht beurteilen. Bei der Größe des Verlags tendenziell eher nein.
    Vermutlich wird es in (fast) jedem Buchladen möglich sein, Bücher vom Kopp-Verlag zu bekommen, auch wenn sie nicht am Lager sind. Die wenigsten gehen soweit, diese Titel auch auf Nachfrage nicht zu bestellen. Viele Buchhandlungen haben die sehr zähneknirschend auch am Lager und begründen das mit Kundennachfrage. Es steht mir nicht zu, an der Sortimentsauswahl einer Buchhandlung rumzunörgeln, die müssen ja alle überleben und wenn man Pech hat und viele solcher Kunden... Am Ende muss man halt Miete und Gehälter zahlen. Aber die Frage ist, ob man einen Tisch im Eingangsbereich braucht.
    Übrigens ist das nicht das erste mal, dass das kritisiert wird. Ich habe schon häufiger auf der facebook-Seite von Thalia gesehen, dass Leute fragen, warum denn in Filiale xy die Bücher von Kopp so prominent präsentiert werden. Weil Meinungsfreiheit war immer die Antwort. Jetzt gibt es halt mal Breitseite.
    Wie jedes Unternehmen muss thalia eben Verantwortung übernehmen und hat damit wirtschaftlich keinen besseren Stand aber in den Augen der Kunden einen völlig anderen als der Rest des Handels. Man erwartet mehr von einem Buchladen, das ist thalia aber glaub ich nicht bewusst oder egal. Weil, wage ich mal in den Raum zu werfen, die Ausrichtung von thalia mit Buchhandel und all seinen Implikationen nicht mehr viel zu tun hat und die Wirtschaftlichkeit an allererster Stelle steht.

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    1. Dem ist nichts hinzuzufügen! Danke für deinen Kommentar.

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  5. Huhu!
    Glücklicherweise gibts hiesig eh keine Thalia-Filialen, so dass ich gar nicht erst in die Versuchung komme, dort zu kaufen. Ich kann also auch die Auslage nicht beurteilen.
    Aber ich hab mal eben im Kopp-Verlag gestöbert und stach vor allem eins ins Auge - wer da ernsthaft etwas zum Lesen findet, der muss doch eh schon einen Schatten haben - um es mal ganz krass auszudrücken. Nicht nur die hetzerischen Produkte, nein, auch andere Bücher mit 'Können Pflanzen denken?' beworben (und vor allem, was sonst noch so angeboten wird...) lassen mich ja schon zweifeln.
    Ich verstehe, dass du Thalia boykottieren willst und finde das einerseits richtig, denn wer mit aller Gewalt nur auf Profit aus ist und keine Rücksicht nimmt, mit was für Grundlagen er das tut, gehört meiner Meinung nach nicht unterstützt. Viel wichtiger finde ich aber, dass man den Kopp-Verlag boykottiert, denn der ist ja der wahre Übeltäter.

    Liebe Grüße,
    Linda

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    1. Hallo Linda,
      dass der Verlag boykottiert wird, ist selbstredend, dachte ich :D Wobei mir sowas von schnurz ist, was die an Heilkräftezeug veröffentlichen. Das tut ja wenigstens keinem weh. Aber der ganze xenophobe Schwachsinn und die Verschwörungstheorien - sowas ist gefährlich. Ich will ja nicht einmal erzielen, dass sowas nicht mehr gedruckt wird. Ich finde es sogar "okay", dass sowas auf Nachfrage verkauft wird. Aber dafür zu werben? Das ist unverzeihlich.

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  6. Wie schon etliche geschrieben haben, ist deine Aufregung durchaus verständlich - vor allem, da es dich persönlich zu betreffen scheint. Aber: Thalia ist nunmal ein Unternehmen und als solches - wie schon erkannt wurde - profitorientiert. Das kann man moralisch verwerflich finden oder nicht und in den meisten Fällen wird das zu keinen Konflikten führen, im Alltag wird man sich damit abfinden müssen.

    Nun zu dem Problem hier: ja, es ist bedauerlich, dass Thalia die Bücher führt, denn gezwungen sind sie dazu nicht. Auch nicht durch die Meinungsfreiheit. Das ist vergleichbar mit dem Hausrecht: einen Kunde, der mir nicht passt, muss ich nicht bedienen - auch wenn er sich diskriminiert fühlt (zumindest nicht, wenn eine offensichtliche Diskriminierung ausgeschlossen werden kann - also z.B. ein Pöbler oder Randalierer). Dass sie die Bücher aktiv bewerben mag als Unterstützung erscheinen, ist aber auch wieder nur Ausdruck ihres eigentlichen Ziels: Gewinn. Es ergibt daher wenig Sinn, Thalia als solches zu boykottieren, es sei denn man möchte so seiner Kapitalismuskritik Ausdruck verleihen, sondern viel mehr die Bücher und zwar überall. Das hat nichts mit Ignorieren und Wegschauen zu tun - auch wenn es für einen Außenstehenden so aussehen mag. Zudem bekommen Leute, die diese Bücher kaufen >wollen<, sie ohnehin irgendwo ("irgendjemand macht es sowieso" klingt im ersten Moment wiederum verwerflich, aber damit sind wir wieder bei Punkt 1).

    Wenn du also deine Methode weiterhin als angebracht betrachtest, müsstest du alle Buchhändler boykottieren, was 1. nicht dein Ziel sein kann und 2. du niemals alle "erwischen" wirst - soll heißen: auch wenn du hierdurch mehrere Tausend Leute erreichst und dazu bringst, es dir gleich zu tun, wird das immer noch nicht ausreichen, um die anderen Kunden auszugleichen. Kurzum: die besagten "willigen" Leute kaufen es immer noch und die Händler, bei denen sie es tun machen weiterhin genügend Gewinn, dass sie das fortsetzen und von deinem Protest nichts mitbekommen. Was aus meiner Sicht besser geeignet ist, sind Diskussionen über solche Themen - unabhängig von verlegten Büchern.

    Klar, du wirst niemals auch den letzten Fundamentalisten erreichen können, aber zumindest die - wie ich sie nenne - "Mitläufer". Davon abgesehen ist Thalias Rechtfertigung gar nicht so weit hergeholt: selbst wenn ich das Buch kaufe und lese, ist dies immer noch kein Indiz dafür, dass ich dessen Inhalt unterstütze (bis auf den Umstand, dass ich dem Verleger und Autor Umsatz einbringe). Das wird am Beispiel von Sarrazins Büchern oder "Mein Kampf" deutlich: ist es besser, sie zu verbieten oder argumentativ gegen sie vorzugehen? Noch dazu bin ich durchaus Fan des Ausdrucks "kenne deinen Feind". Wenn wir "Mein Kampf" - wie es zurzeit noch getan wird - in den richtigen Kontext setzen und so eher bildende Maßnahmen ergreifen als meinungsbildende ist das besser als zu sagen "Das ist einfach böse. Ihr dürft es nicht lesen!". Dass das bis vor Kurzem getan wurde, ist damit nicht unbedingt falsch (man kann es damit begründen, dass die Köpfe kurz nach dem Dritten Reich sozusagen zu "frisch" und gefährdet waren), aber die Änderung der Taktik ist zu begrüßen, denn auf Dauer wird man das Verbot schon wegen der abgelaufenen Urheberrechte nicht halten können.

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    1. Irgendwie hat dein langer Kommentar keinerlei Substanz, tut mir leid. Ich zitiere mal: "[...] vor allem, da es dich persönlich zu betreffen scheint. Aber: [...]" - da gibt es kein Aber. Mich betrifft es, dich nicht. Was meinst du, wer da eher beurteilen kann, ob etwas okay ist oder nicht? Ganz plump gesagt: Manchmal liegt die Definitionshoheit einfach nicht bei weißen Männern. Du bist einer von vielen, die mir versuchen, weißzumachen, wie sinnlos mein Tun wäre. Guess what, ich weiß auch, dass Thalia profitorientiert ist. Steht sogar im Beitrag. Und natürlich ist die eigentliche Wurzel, dass die Bücher überhaupt existieren, aber Pressefreiheit lässt sich nun mal nicht einschränken (und das ist gut so!). Aber etwas mit einem Schulterzucken zu kommentieren, weil ist ja Kapitalismus oder weil ist halt so? Das können wie gesagt nur Leute, die privilegiert genug sind, dass es sie nicht betrifft. Mein Beitrag animiert nicht nur zum Boykott, ich nehme mir mal heraus, zu behaupten, dass er Leser*innen auch nachdenken lässt. Von daher, klar, Diskussionen sind wichtig! Aber nicht, während mir Leute (mehrheitlich weiße Männer) versuchen, meine Sicht der Dinge kleinzureden. Mir versuchen, zu erklären, was Meinungsfreiheit ist, was Kapitalismus ist, haste nicht gesehen. Ich mag eine nicht-deutsche Frau sein, dennoch bin ich hier geboren und aufgewachsen, ich weiß sehr wohl, was diese ganzen Dinge und Mechanismen und Strukturen sind. Ich weiß aber auch, dass hinter Diskriminierung - Rassismus, Sexismus usw. - genauso eine Struktur steckt und die MUSS nicht Teil des Kapitalismus sein.

      Zu deinem "Mein Kampf"-Argument: Das ist mir durchaus bewusst und ebenfalls am Beitrag vorbei. Selbstverständlich muss eine kritische Auseinandersetzung stattfinden! Ich bin Historikerin, niemals würde ich das kritische Auseinandernehmen solcher Werke verbieten wollen! Aber BEWERBEN? Als "Unser Tipp" oder wie es betitelt wurde? Ernsthaft? Nein. Das ist etwas GANZ anderes. Und genau DARUM geht es mir.

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  7. Verstehe Deine Empörung nicht. Hast Du mehr als nur die Buchtitel gelesen ? Hast Du schon einmal eines dieser Bücher ganz gelesen ? Die befassen sich mit aktuellen Themen, die viele Menschen beschäftigen; ob man die Ansichten teilt oder gut oder schlecht findet, ist eine andere Sache, aber man kann und sollte sich damit auseinandersetzen. Bücher zu verbieten, die nicht den eigenen Vorstellungen entsprechen oder Firmen zu boykottieren, die so etwas verkaufen, hatten wir schon mal. Das sollten wir nicht anstreben. Man kommt
    eben doch nicht umhin festzustellen, dass derartige Dinge durch die Meinungs- und Pressefreiheit gedeckt sind. Du fragst “Muss ich wirklich mehr sagen? “ Ja, dann solltest Du wirklich etwas konkreter werden, als Dich nur an Buchtiteln aufzuhalten. Insgesamt wird mir mit zu viel Halbwissen, aufgeschnappten Parolen und pauschalen Vorveruteilungen gearbeitet.z. Bsp. sollte man sich mal folgendes ansehen:http://de.wikimannia.org/Kopp-Verlag. In einem der Kommentare hier wird Bezug genommen auf einen Kopp Kongress in Stuttgart, der kürzlich stattfand und auf einen Beitrag von extra3 verwiesen, der dort vor Ort Kongressbesucher interviewte. Dieser Beitrag eines Satire-Magazins ! war absolut tendenziös mit der alleinigen Absicht, Besucher und Veranstaltung als lächerlich und absurd darzustellen. Man hat hier Statements herausgefiltert, die vielleicht nicht gerade als Aushängeschild taugen, aber meiner Meinung nach auch nicht den typischen, durchschnittlichen Besucher repräsentieren. Ich habe die Veranstaltung selbst besucht, ohne ein ausgewiesener Anhänger einer der Autoren zu sein, auch nicht deren Thesen als Ideologie für mich verinnerlicht zu haben und fand die Vorträge dennoch interessant. Das Publikum machte auf mich den Eindruck eines Querschnitts der Gesellschaft, Menschen, die sich kritisch mit aktuellen Themen und Problemen auseinandersetzen. Die Veranstatlung war allemal geeignet, einem gewisse Denkanstöße zu geben, über bestimmte Dinge nochmals nachzudenken oder zu hinterfragen, ohne eine Ideologie annehmen zu müssen. Soviel Toleranz sollte sein. Die Menschen in diesem Land sind emanzipiert und klug genug selbst zu entscheiden, welche Bücher sie lesen möchten. Also, etwas entspannter bleiben.

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    1. Weder ist es mein Ziel, Bücher zu verbieten, noch, Firmen zu boykottieren, die diese verkaufen - mir geht es um das aktive Bewerben.
      Ich wüsste gerne, was denn inhaltlich fundiert kritisch gewesen sein soll. Meinst du nicht, ich hab als Türkin und Muslima einen Einblick in die "stille Islamisierung Deutschlands"? Auch in meinem türkischen Bekanntenkreis gibt es krude Theorien über die Rothschilds - die ich dort ebenso kritisiere! Auseinandersetzung? Unbedingt! Über die Köpfe der Betroffenen hinweg? Bewerben ohne die möglichen Ausmaße zu reflektieren? Nein, da bin ich dagegen. Du wärst sicherlich auch nicht entspannt, würde der Verlag Bücher drucken, die deine Existenz als Verschwörung auslegen. Auch das hatten wir in der Geschichte schon mal.

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    2. Du sagst:"Weder ist es mein Ziel, Bücher zu verbieten, noch, Firmen zu boykottieren, die diese verkaufen - mir geht es um das aktive Bewerben."
      Hast Du schon vergessen, was Du im obigen Text noch umissverstädnlich verkündet hast ?
      "Thalia wird von mir so lange boykottiert, bis dazu ganz klar Stellung genommen wurde. Und ich fordere alle von euch auf, es mir gleich zu tun. Boykottiert, schreibt darüber, schreibt Thalia, macht Druck".
      Ist das kein eindeutiger Aufruf zum Boykott ??

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    3. Leseverständnis muss schon gegeben sein. Es ist nicht mein Ziel, Firmen zu boykottieren, die diese VERKAUFEN. Es ist mein Ziel, Firmen zu boykottieren, die diese BEWERBEN.
      Got it?

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  8. Moment, hier zieht jemand einen wikimannia-Artikel als seriöse Quelle heran? Ist das Satire?
    Zudem: So viel Meinungfreiheit muss man eben auch tolerieren, dass jemand, der Kopp scheiße findet, das im Internet schreiben darf. Also: Wenn Sie Meinungsfreiheit für Kopp-Autoren verlangen (und Elif auch nirgends für ein Verbot ausgesprochen hat), müssen Sie das jetzt einfach aushalten, dass Ich Meinungsfreiheit für diesen Blogbeitrag fordere. Und auch dafür, dass ich es albern finde, eine Seite wie wikimannia für zitierfähig zu halten.

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    1. Haha. Das ist mir nicht mal aufgefallen. Habe es in der Eile als Wikipedia überlesen. Danke für deine Ergänzung. Die Seite ist ja wirklich.. lachhaft.

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    2. Beste Seite, wenn man aggressiv werden wil.

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    3. Wikimannia als Gegendarstellung zu Wikipedia; die Eintragungen bei Wikipedia sind tendenziös und interessengelenkt. Wikimannia enthält Originalauszüge des Verfassungschutzes, die besagen, dass der Verlag nicht beobachtet wird, wie vielfach in Wikipedia behauptet wird. Natürlich darf man den Verlag Scheiße finden; zum Boykott aufzurufen ist aber noch mal eine andere Kategorie und grenzt an politischen Aktionismus.

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    4. Und auch wenn es so wäre - ich sehe keinen "politischen Aktionismus", sondern eine persönliche Entscheidung -, wäre auch das in dieser Form durch die Meinungsfreiheit gedeckt, ob Ihnen das nun passt oder nicht.
      Und entschuldigen Sie bitte, aber wenn überhaupt eine Seite von den genannten "tendenziös" und "Interessengelenkt" ist, dann ist das wikimannia, die sich ja sogar genau das groß auf die fahne schreiben: wogegen sie sind, was sie stattdessen gut finden. Entschuldigen Sie bitte, aber andere Meinungen zum Kopp-Verlag als "tendenziös" und "interessengelenkt" abzutun, nur weil sie den eigenen Tendenzen und Interessen nicht entsprechen - da sind Sie halt nicht minder "tendenziös" und "interessengelenkt".

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  9. Ja, das ist wirklich übel, was Thalia da gemacht hat. Den Laden sollte man wirklich schließen lassen. Und den Kopp Verlag verbieten und idealerweise die Bücher verbrennen. Denn das geht nun wirklich nicht, dass da jemand anderer Meinung ist... Sorry, dein Beitrag zeigt, an welchem Punkt politische Diskussionen angekommen sind. In einer Demokratie ist ja genau das der große Wert, dass es viele Gedanken, Meinungen und Ideen gibt. Auch welche, die den eigenen komplett konträr laufen. Und in der aktuellen Diskussion werden nur noch Extreme wahrgenommen. Entweder jemand ist ein Gutmensch oder ein kompletter Nazi. Sorry, so einfach ist das nicht und zu einem "Boykott" gegen Thalia aufzurufen, weil dort Bücher vom Kopp Verlag ausliegen, ist schon sehr traurig. Ich weiß nicht wer hier radikaler ist? Menschen, die Flüchtlingsheime anzünden, oder die, die nach Zensur schreien, nach Denkverbote und der Ausgrenzung von politsch Andersdenkenden.

    Der Kopp Verlag hat natürlich provokante Titel im Programm. Damit machen die ihr Geld, weil es dafür einen Markt gibt. Da gibt es ordentlichen Bockmist (ich kann mich da an einen Klappentext von einem Buch erinnern, wo es um Nazis ging, die auf der dunklen Seite des Mondes Leben; wie in diesem Satire-Film). Aber es gibt auch kritische Texte, die durchaus ihre Berechtigung haben. Wenn es beispielsweise um das Finanzsystem geht. Darum, wie die Geldschöpfung in diesem System funktioniert (was du offensichtlich nicht weißt, denn sonst würdest du dich eher über die Banken, als über einen kleinen Bücherladen aufregen). Wenn ich mir überlege, dass der durchschnittliche Steuerzahler 60-70% an den Staat abführt (rechne mal alle deine Steuern, Abgaben, Mehrwertssteuer, Mineralölsteuer usw. zusammen...) und dann gesagt bekommt, dass er leider private Altersvorsorge betreiben muss, weil er sonst in der Altersarmut landet. Und dann fängt der kleine Bürger an von seinen verbleibenden 30% zu riestern, eine Lebensversicherung abzuschließen oder Sonstiges zu betreiben und dann wird durch die Politik der bestehenden Parteien (welche den Kurs der EZB eindeutig unterstützen) der Zins in den negativen Bereich gesenkt (seit Jahren schon ist der Realzins bereits im negativen Bereich), dann sind Bücher, die über diese Zusammenhänge schreiben absolut berechtigt. Wenn der Staat deutsche Steuergelder über Griechenland an die Banken ausschüttet, ihnen die Risiken abnimmt, für die sie Jahrelang die Profite eingefahren haben. Leute die solche Bücher lesen sind keine Nazis, keine Rechten, die zünden keine Flüchtlingswohnheime an. Die hinterfragen, was passiert und plappern nicht in ihrem Blog das nach, was ein Pamphlet (TAZ) ihnen vorbetet.

    Ich habe das Gefühl, dass in letzter Zeit immer nach Zensur geschrien wird, nach Verbote, wenn da jemand ums Eck kommt, der unangenehme Fragen stellt und politisch nicht die eigene Meinung vertritt. Dass die Gegenpartei undemokratisch denkt, das wirft jeder dem anderen vor. Eher sollte doch der Aufruf lauten, dass die Menschen gebildet werden, dass sie selbst differenzieren können, welche Bücher und Inhalte positiv für die Gesellschaft sind und welche zerstörerisch. Anstatt die Besucher eines Buchladens zu bevormuden, sollte man Aufklärung betreiben und ein Mensch, dem diese politische Aufklärung widerfahren ist, der kann ohne Probleme ein Buch aus dem Kopp Verlag lesen, ohne danach politisch indoktriniert ein Nazi zu werden. Oder glaubst du, dass du oder jemand anders darüber entscheiden sollte und es besser weiß, was für die Mitmenschen gut ist und was nicht? Intellektueller Dünkel ist das, zu glauben man weiß es besser und zu bestimmen, was für Bücher im Thalia geduldet sind und welche nicht. Idealerweiße ohne je ein Buch aus dem Kopp Verlag gelesen zu haben. Denn die Meinung eines Journalisten der TAZ reicht aus für die eigene Meinungsbildung zum Programm eines beliebigen Verlags.

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    1. Deinem letzten Absatz stimme ich vollkommen zu. Ansonsten kann ich die Vergleiche in deinen Kommentaren aber nicht nachvollziehen, sorry. Es sind keine "unangenehmen Fragen", wenn von einer "Islamisierung" die Rede ist.
      Meine Toleranz hört da auf, wo die Intoleranz anderer Existenzen gefährdet. Und das sehe ich nicht als Zensur. Es ist schließlich auch keine Zensur, dass es rechtlich verfolgt werden kann, wenn man anderen Menschen wünscht, sie würden vergast. Selbst in einer Demokratie ist nicht alles okay. Die Grenzen, was okay ist und was nicht, sind natürlich bei jedem anders gesetzt; bitte respektiere dann doch einfach, dass ich und viele (!) andere unsere Grenzen gesetzt haben und dieses Verhalten von Thalia nicht akzeptieren.

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  10. Die bestehenden Parteien haben in den letzten Jahrzehnten dieses wirtschaftliche System geprägt. Darin hat eine Unternehmung, wie Thalia oder auch die Verlage nur ein einziges Ziel: Profite machen. Es gibt für ein Unternehmen in diesem System keine andere Ausrichtung, keine moralische Verpflichtung, kein Bildungsauftrag oder sonst etwas. Gewinne für die Eigentümer und Shareholder abwerfen, dass ist der einzige Wert in diesem System. Das wollte der Wähler so, das hat er immer wieder unterstützt. Private Gewinnmaximierung war die Politik der letzten Jahrzehnte. Jetzt danach zu schreien, dass hier Thalia in irgendeiner Weise "politischen Richtlinien" zu folgen hat, ist völlig irrational, geradezu schwachsinnig.

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    1. Vielleicht lesen Sie einfach den Blogbeitrag, den Sie hier kritisieren, in Ruhe noch mal durch, dann fällt Ihnen vielleicht auf, dass das meiste, was Sie der Blogbetreiberin vorwerfen, gar nicht im Blogbeitrag steht.
      Und: Wenn Ihnen die Politik von Union und SPD schon zu wirtschaftsliberal ist (ja, das ist sie, da bin ich bei Ihnen), dann können wir uns ja gemeinsam auf eine Regierung unter der Beteiligung der AfD freuen (so undenkbar ist das ja nicht mehr), denn die fordern ja den völligen Abbau des Sozialstaates und die völlige Deregulation der Märkte. Und eine recht üble Rentenreform schwebt Frau Petry da auch vor. Könnte ja irgendein Kopp-Autor auch mal in seinen Bücheen durchleuchten.

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  11. Wieso stehen die, die FÜR den Verlag argumentieren, eigentlich nie dahinter, wer sie sind? Wieso sind alle diese Beiträge anonym? Ist es etwa doch irgendwie unangenehm, als Fürsprecher erkannt zu werden? Hm, wieso wohl? Wir reden hier nicht von einem Verlag, der aufklären will. Wir reden von einem Verlag, der allein durch seine Buchtitel auf die Angstmachmaschine aufspringt und Feindbilder aufbauen möchte unter dem Deckmantel von "Das darf man doch wohl sagen dürfen".
    Es reicht doch - und vielleicht ist man deswegen lieber anonym? - die Profile bei sozialen Medien anzusehen, die die Entscheidung Thalias beklatschen (von denen mit höchster Wahrscheinlichkeit übrigens auch keiner mehr von einem Koppverlagbuch gelesen hat als den Titel). Das sind nicht die Menschen, die sich durch differenzierte Lektüre eine ausgewogenen Meinung bilden möchten. Das sind die, die rechtschreibfehlergespickte Hetzbildchen posten, angstmachende Meldungen verbreiten, die schon längt widerlegt sind, und die ganz Klugen, die noch nicht mal kapiert haben, wo der Punkt zur Volksverhetzung dann überschritten ist. Als wäre Thalia nicht klar, welches Klientel sie da anziehen möchten. Man kann sich aber auch weiterhin blöd stellen und so tun, als wäre der Koppverlag ein ganz weltoffener und vernünftiger Verlag. Und dass Thalia sie ausgestellt hat, keine richtig bekloppte Art, die momentane Debatte mal so richtig schön skandalträchtig finanziell zu nutzen. Dann ist es für andere aber auch völlig legitim, Thalia zu sagen: Das, was ihr gemacht habt, finde ich scheiße und werde das nicht unterstüzen.

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    1. Der Fairness halber muss ich sagen, dass der eine anonyme Kommentar vom Herren, der auf dem Event des Verlags war, nicht anonym gesendet werden sollte, keine Ahnung, warum Blogspot das nicht berücksichtigt hat. Das weiß ich, weil ich mit ihm noch ein, zwei E-Mails ausgetauscht habe.
      Ansonsten kann ich dir in allem nur zustimmen, danke, dass du es auf den Punkt gebracht hast!

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