[Rezension] "Seidenweg - Sinems Entscheidung" - Aygen-Sibel Çelik




Titel: Seidenweg - Sinems Entscheidung
Originaltitel: -
Autor: Aygen-Sibel Çelik
Verlag: Ueberreuter
Seitenzahl: 144
Preis: 12,95€

Sinem ist 18, in Deutschland geboren und hat türkische Wurzeln. Sie macht gerade ihr Abitur und hat eigentlich überhaupt keine strengen Eltern - bis ihr Vater sie vor der Haustür mit ihrer neuen Bekanntschaft sieht. Sie erkennt ihren Vater nicht mehr wieder.
Zeitgleich verlässt ihre liebste Deutschlehrerin die Schule, bei der sie immer die besten Noten hatte. Der neue Lehrer jedoch scheint ihr Potential nicht zu sehen - oder nicht sehen zu wollen? Er gibt Sinem unter anderem 3 Punke und Sinem weiß nicht, wie sie damit umgehen soll. Was sie nicht ahnt: dass das der Stein ist, der alles ins Rollen bringt..

Es ist nicht gelogen, wenn ich sage, dass ich keine Erwartungen an das Buch hatte. Ich habe es in der Bibliothek in die Hand genommen, weil mir das Cover gefiel. Der Inhalt klang ebenfalls interessant und die geringe Seitenzahl hat mich schließlich überzeugt, es mitzunehmen. Gestern habe ich es angefangen - und konnte es nicht mehr aus der Hand legen. 

Ja, das Buch ist sprachlich kein Meisterwerk. Und ja, auch die Idee dahinter ist nicht sonderlich kreativ - v.a. die Sache mit der neuen Bekanntschaft von Sinem war mir am Ende doch zu konstruiert und hätte anders gelöst werden können. Aber dann hätte das Wesentliche im Buch nicht funktioniert - die Gedanken. Die sind das, was das Buch für mich so stark gemacht hat. Sinem erlebt zum ersten Mal Rassismus am eigenen Leib und beginnt, zu hinterfragen. Sich selbst, wenn sie sich für die türkische Mutter, die kein Deutsch spricht, schämt. Die Medien, die von Integration sprechen, aber im Prinzip Assimilation meinen. Die Tatsache, dass "westlich" immer mit "modern" und "besser" gleichgesetzt wird und dass Vorurteile offenbar auch vor gebildeteren Menschen nicht haltmachen. Und, und, und.
Als "Migrantenkind" hat Çelik mir aus der Seele gesprochen. Ich habe meine Erlebnisse in so vielen Dingen wiedererkannt und war so positiv überrascht, das alles in einem Jugendbuch zu finden. Es ist wichtig, dass solche Themen angesprochen werden. Und es ist wichtig, dass sie auf die richtige Art und Weise angesprochen werden. Das ist sowohl dem Buch, als auch der Gestaltung dessen gelungen - im Gegensatz zum vorherigen Band "Seidenhaar", meiner Meinung nach. Dieses hätte ich nämlich nicht in die Hand genommen, hätte ich es in der Bibliothek gesehen - einfach, weil ich es zu gekünstelt finde, wenn in Kinder- oder Jugendbüchern über "Ausländer" ebenjene in Form von Fotografien abgebildet werden. Ich kenne das erste Buch übrigens nicht und hatte auch nicht das Gefühl, dass man es gelesen haben muss. "Seidenweg" kann genauso gut auch für sich alleine stehen. 

"Seidenweg" hat mir unglaublich gut gefallen. Es hat Schwächen, das ist nicht von der Hand zu weisen - gerade für jemanden, der nicht mehr unbedingt zur Zielgruppe gehört und viel liest. Diese Aspekte standen für mich aber ohnehin nicht im Mittelpunkt, sondern vielmehr die Erlebnisse und die Gedanken, die mit diesen einhergingen. Denn Sinem kämpft mit Alltagsrassismus. Und das ist leider immer noch Alltag und gerade deshalb so wichtig. Ich kann das Buch wirklich nur empfehlen. 4,5 von 5 Sternen vergebe ich. 

Kommentare

  1. Das hört sich großartig an! Danke für deinen Bericht, denn ich wäre sonst wohl nicht über dieses Buch gestolpert :-)

    Liebe Grüße!

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  2. Hallo meine Liebe :)
    Ich hab von dem Buch bisher auch noch nichts gehört. Wundert mich aber nicht, dass es dich reizte ;) Das Cover ist echt schön und ich gebe dir absolut Recht, was die Wichtigkeit der Themen betrifft! Wahrscheinlich kann man viele Lehren daraus ziehen.
    Ich hoffe nur, dass wir als Lehrer später anders handeln...unter anderem ;)
    :*

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  3. Das finde ich unglaublich interessant! Ich bin ja halb-halb und krieg auch immer von beiden Seiten - also von allen :P - irgendwas zu hören. Ich werd mir das Buch auf jeden Fall näher anschauen und wahrscheinlich auch lesen, klingt zu gut, als dass ich es nicht lesen will.
    Toll, dass du das Buch rezensiert hast, sonst wäre ich bestimmt nie darauf gestoßen! Aber ich kann sehr gut nachvollziehen, dass du dich darin wiedererkennen konntest - werde ich auch wahrscheinlich ;)
    ♥ Ley

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