Rezension: "Julischatten" - Antje Babendererde


Titel: Julischatten
Autor: Antje Babendererde
Verlag: Arena
Seitenzahl: 480
Preis: 17,99€


Inhalt 

Sim heißt eigentlich Simona und will um jeden Preis auffallen. und das tut sie wie ein bunter Hund im Reservat Pine Ridge im Nordwesten der USA, mit ihren merkwürdigen kurzen Haaren, ihren verrückten Klamotten und dem schiefen Lächeln. Doch als sie die unzertrennlichen Freunde Jimi und Lukas kennenlernt, ändert sich etwas für sie. Denn der blinde Lukas zeigt ihr eine ganz neue Sicht auf der Welt und auf sich selbst. Und in den attrativen Jimi verliebt sie sich Hals über Kopf. Doch die Dinge in Pine Ridge sind nicht so, wie sie scheinen. Während die Ereignisse sich überschlagen, die ihrer dreier Leben für immer verändern soll, muss Sim erkennen, dass sie sich für einen der beiden Jungen entscheiden muss. Für Lukas oder für Jimi. via

Meine Meinung 

Schon seit Jahren hege ich eine Vorliebe für die Jugendromane der Autorin Antje Babendererde und brannte darauf, endlich ihr neuestes Werk Julischatten zu lesen. 
Dieses spielt im Reservat Pine Ridge, in dem die Lakota-Indianer leben. Das Setting ist schonmal in meinen Augen furchtbar interessant und von Frau Babendererde zudem unbeschönigt real dargestellt. Denn die romantischen Gedanken, die man beim Gedanken an die Ureinwohner Amerikas hat, entsprechen nicht länger der Realität. Armut und daraus resultierend Alkohol- und Drogenkonsum bestimmen den Alltag, nahezu jeder muss für seine Existenz kämpfen, vielen fehlt aber die Kraft dazu. Durch verschiedenste Szenen bringt die Autorin einem diese harte Realität nahe und schafft es dennoch, auch die faszinierenden Überbleibsel der Kultur darzustellen und das Interesse des Lesers dafür zu wecken. 
Das Setting wird von sehr interessanten Charakteren begleitet. Sim ist zwar eine sehr eigenwillige und rebellische Protagonistin und zu Anfang hat mich ihre Unzufriedenheit mit ihrem Leben, ihre Ich-Bezogenheit und ihr auffälliger Alkoholkonsum skeptisch gemacht – Eltern doof, perfekte Schwester doof, alles doof -, doch mir hat gefallen, dass sie sich im Reservat entwickelt hat, auf eine langsame und glaubwürdige Art und Weise. Auch die beiden Jungs, mit denen sich Sim anfreundet, Jimi und Lukas, haben mir sehr gut gefallen. Zeitweise hätte ich ersterem gerne den Kopf abgeschlagen und Lukas in den Hintern getreten, doch beide sind ihren Persönlichkeiten treu geblieben und haben es geschafft, dass ich sie in mein Herz schließe, so gegensätzlich die beiden auch sind. 
Natürlich war ich skeptisch aufgrund der Dreiecksbeziehung und tatsächlich war ich hin und wieder genervt von Sim, weil ich ihre Wahl und ihre Gefühle nicht nachvollziehen konnte, doch letzten Endes hat das nur zur Spannung beigetragen und mich wirklich gut unterhalten. Außerdem sorgt die Autorin mit Perspektivenwechseln dafür, dass dieses Dreieck verständlich bleibt, man bekommt auch genug von Lukas' und Jimis Sicht der Dinge mit, sodass man sich fühlt, als wäre man mittendrin. 
Ein weiterer Pluspunkt ist auf jeden Fall Babendererdes Schreibstil. Mir gefällt, wie bildlich und einfühlsam sie schreiben kann und es dadurch schafft, den Leser zu berühren und ein Bild im Kopf zu erschaffen, obwohl man vielleicht vorher nie so ein Reservat gesehen hat. 
Als einzigen Minuspunkt muss ich das Ende nennen. Es war sehr überraschend und schon fast verstörend, weil es so unerwartet kam. Zu Anfang ist das Buch zwar schon nicht harmonisch, doch es steht mehr die Freundschaft und die Verliebtheit im Mittelpunkt, sodass sich das Ende nicht ansatzweise ankündigt. Nicht das, was am Ende passiert, gefiel mir nicht, sondern, dass es so ein kompletter Bruch im Geschehen war. 

Fazit

Insgesamt konnte mich Julischatten von sich überzeugen. Kleine Schwächen hat es, doch das ändert nichts daran, dass ich das Buch verschlungen und genossen habe. 
Wer also Lust auf einen Jugendroman hat, der in einem heutigen Indiander-Reservat spielt, dem kann ich das Buch nur empfehlen. Eine schöne Geschichte, ein toller Schreibstil und interessante Charaktere sorgen für ein schönes Leseerlebnis. Manche könnten sich mit der Dreiecksbeziehung schwer tun, doch lasst euch davon nicht abschrecken. Von mir gibt es 4 von 5 Sternen!


Kommentare

  1. Lustig da ging es uns scheinbar ziemlich ähnlich. Ich fand das Buch ja auch recht gut, fand diesen Bruch aber etwas zu extrem :)
    Weißt du eigentlich ob irgendwann im nächsten Jahr oder so ein neues Buch von ihr erscheint?

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    1. Ja, das kam wirklich zu unerwartet! :/

      Mhh, auf ihrer Website finde ich nichts. Aber wenn, dann würde ich eher ein "Erwachsenenbuch" erwarten, weil allein zwischen dem Erscheinen von "Indigosommer" und "Julischatten" drei Jahre liegen. :(

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  2. Ich mag die Bücher von Antje Babendererde auch recht gern, habe nur häufig Angst zu viel alt bekanntes wiederzufinden. Julischatten klingt aber doch ganz gut und nach einem schönen Buch für nebenbei. Insbesondere die indianische Kultur ist einfach interessant und macht diese Bücher immer wieder lesenswert. :)

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    1. Das kann ich verstehen, wobei es mich bisher nicht gestört hat, dass sich die Bücher ähneln. :) Irgendwie hab ich eher das Gefühl, dass mich keines ihrer Bücher mehr enttäuschen kann, weil sie konstant bleibt und "verlässlich" ist. :]

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  3. Ich fand das Buch super. :) Es war mein erstes von Antje Babenderere, aber bestimmt nicht das letzte. :) Mich hat die Dreiecksbeziehung gar nicht mal so gestört, da ich einfach von der Umgebung total fasziniert war!
    Liebe Grüße Caro

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    1. Ohh, dann musst du dir unbedingt noch ein paar andere zu Gemüte führen. :D Ich finde Libellensommer und Talitha Running Horse (obwohl ich Pferde nicht mag) zum Beispiel noch total toll! :) Wobei alle gut sind, aber die haben einen bleibenden Eindruck hinterlassen. :)

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  4. Das klingt ja wirklich ziemlich gut, obwohl ich bisher eigentlich eher ins Negative tendierende Rückmeldungen zu lesen bekommen habe. Scheint aber genau das richtige für Zwischendurch zu sein, hm... Mal sehen, vielleicht kommenden Frühling/Sommmer, da, wie ich finde, Antje Babendererde Bücher ausschließlich in diese Zeit reinpassen. :D
    Ich habe von ihr zugegebenermaßen bisher leider nur "Libellensommer" (♥) und "Indigosommer" gelesen, wobei Ersteres natürlich besonders toll war.

    Dankeschön für deinen Kommentar. Ich glaube, "Halva, meine Süße" könnte tatsächlich etwas für dich sein. :) Sofern dich der einfache Schreibstil nicht weiter stört und du dich von einem holprigen Anfang nicht abschrecken lässt.

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