11/13/2016

[Gedanken] Neue Kategorie

Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein. 

Was ich euch damit sagen will? Ganz einfach: wir sind alle nicht frei von Strukturen und Mechanismen. Damit meine ich zum Beispiel Rassismus. Ich denke, die Mehrheit der Leute, die man so fragt, wird sagen, dass Nazis natürlich scheiße sind. Dass Rassismus scheiße ist. Dass sie keine Rassisten sind. Das ist schön und das ist gut, aber damit ist die Sache nicht erledigt. 
Wir leben in einer Gesellschaft, die von Strukturen geprägt ist, die bestimmte Menschengruppen benachteiligt. Wir können uns dem gar nicht entziehen, dass wir gewisse Denkweisen und Handlungsmuster verinnerlichen, da als 'normal' gelten. Bis wir anfangen, uns zu reflektieren. Und damit weitermachen, immer wieder. Bis wir ein Bewusstsein dafür haben, dass gewisse Dinge falsch sein können und diese hinterfragen. 

Bewusstsein ist mein Stichwort. 

Nicht erst seit den jüngsten US-Wahlen habe ich das Gefühl, ein Ventil zu brauchen, den Drang, etwas zu tun. Aufzuklären. Über Themen, die vielleicht nicht jedem Menschen bekannt sind, weil sie schlicht und einfach noch nicht damit zu tun hatten. Hier möchte ich Abhilfe schaffen und das Bewusstsein für gewisse Themen stärken. 
Zu diesen Themen zählen für mich neben Rassismus auch Sexismus (/Feminismus), Ableism(us), (weiße) Privilegien und vieles mehr. Es sind Themen, mit denen ich mich beschäftige und Themen, die mir am Herzen liegen. Außerdem sind es Themen, bei denen ich selbst unter Buch-Menschen, die ich ansonsten für die liebsten überhaupt halte, fehlendes Wissen bemerke. Das ist auch einer der Gründe, weshalb ich diese Kategorie auf meinem Buchblog etablieren werde und nicht auf einem separaten Blog. Zum einen möchte ich, wie gesagt, auch explizit in "meiner" Community ansetzen. Und zum anderen ist dieser Blog für mich von Anfang an wie ein (Bücher-)Tagebuch gewesen, der an erster Stelle mir dient. Wen es stört, dass mein Blog von nun an kein 'reiner' Buchblog mehr sein wird, kann ich nur bitten, dem Ganzen trotzdem eine Chance zu geben, aber festhalten kann und will ich niemanden. Ich denke aber, dass diese Themen gerade auch bei der Rezeption von Büchern mehr Beachtung bekommen sollten. Wie oft werden Bücher in den Himmel gelobt, in denen man von einer Beziehung liest, die eigentlich vollkommen missbräuchlich ist? Wie oft überlesen wir Vergewaltigungen? Wie oft fällt uns auf, ob Charaktere vielfältig sind, oder alle weiß, hetero und able-bodied? Wie oft werden Beeinträchtigungen genutzt, um eine Geschichte zu erzählen, die dann aber der Beeinträchtigung und den Betroffenen gegenüber überhaupt nicht akkurat ist? Wie oft werden Depressionen romantisiert? Titel, die mir spontan einfallen: Fifty Shades Of Grey, Zorn und Morgenröte, Ein ganzes halbes Jahr und es gibt sicherlich noch etliche, etliche mehr, die ich verdrängt habe. Übrigens - zwei von den genannten Büchern haben mich gut unterhalten. Aber mit meinem neu gewonnen Bewusstsein weiß ich diese Bücher anders zu rezipieren und empfehle sie auch nicht kommentarlos weiter. Man kann etwas mögen und sich gleichzeitig trotzdem dessen bewusst sein, dass es problematisch ist. 

Ich kann mir vorstellen, dass ich mit dem Vorhaben an sich und einigen Themen im Spezifischen anecken werde. Aber das nehme ich in Kauf. Ich bin - wie gesagt - selbst kein Mensch ohne "Sünde". Ich bin selbst noch im ständigen Lernprozess und werde sicher nicht lückenlos und einwandfrei über diese Themen schreiben können. Aber es ist mir ein Bedürfnis, einen Anfang zu machen. Und vielleicht bringt es auch gar nichts (oder eben nur, dass ich ein Ventil habe, was ja auch schon ein Nutzen ist), aber vielleicht sind auch ein oder zwei Denkanstöße dabei, die zu ein bisschen mehr Bewusstsein führen. Ich schrieb mir vor ein paar Tagen schon auf Instagram ein wenig was von der Seele und kann auch hier nur mit den gleichen Worten abschließen - wir sollten einfach alle versuchen, der beste Mensch zu sein, der wir sein können. 



Dies sind die Themen, die mir beim Brainstorming so durch den Kopf geschossen sind. Vor ein paar Minuten wurde sie schon wieder erweitert - ich bin im Moment wirklich voll mit Ideen und bin gespannt darauf, was sich daraus ergeben wird. Ich weiß noch nicht, ob ich wöchentlich oder zweiwöchentlich poste. Im Moment schweben mir auf jeden Fall Sonntage vor. Der Titel "Elifs 1x1" ist erstmal nur vorläufig. Falls ihr grad einen super coolen Geistesblitz habt, immer her damit. Oder falls euch Themen einfallen, die ihr ebenfalls gerne in der Kategorie sehen würdet, schreibt mir das ebenfalls gerne. 





Ich denke, das war es dann auch erstmal von mir. Ich wollte mich nicht in diese neue Thematik stürzen, ohne euch wissen zu lassen, was ich überhaupt vorhabe. Nun würde mich natürlich interessieren - was haltet ihr von dem Ganzen? Beschäftigt ihr euch mit diesen oder ähnlichen Themen auch sonst oder interessiert euch das eher nicht? Ist mein Input willkommen/überflüssig/unerwünscht? Oder gar etwas ganz anderes? Lasst es mich gerne wissen. Ich bin ehrlich mit euch - ich würde das Projekt auch dann starten, sollte es gar keinen Anklang finden. Das heißt aber nicht, dass mir völlig egal ist, wie meine Ideen bei euch ankommen. 
In diesem Sinne wünsche ich euch erstmal einen schönen Restsonntag und eine gute Woche. ❤

11/02/2016

[Monatsrückblick] Oktober 2016

Der Oktober war für mich ein sehr aufregender Monat - schließlich war ich erstmals auf einer Buchmesse (zum Bericht geht's hier entlang). Außerdem durfte ich endlich Crooked Kingdom in meinen Händen halten und lesen, worauf ich ein Jahr hingefiebert hatte. Ansonsten habe ich mich lesetechnisch in Halloween-Stimmung gebracht und festgestellt, dass ich ganz schön viele Bücher habe, die in diese Atmosphäre passen. 


Rain Song - Antje Babendererde (314 S.)
★★★★★
(4,5)

Crooked Kingdom (Six Of Crows #2) - Leigh Bardugo (536 S.)
★★★★★
(4,5)

We Have Always Lived In The Castle - Shirley Jackson (146 S.)
★★★★★

The Yellow Wall-Paper - Charlotte Perkins Gilman (53 S.)
★★★★★

The Lottery - Shirley Jackson (30 S.)
★★★★

Ich habe derzeit aber auch einfach wirklich ein Händchen für gute Bücher - vielleicht kann ich aber auch nur besser einschätzen, was ich mögen könnte und worauf ich gerade Lust habe. Jedenfalls waren ausschließlich alle Romane und Kurzgeschichten mindestens gut! Mit Rain Song von Antje Babendererde habe ich den letzten Roman von Antje Babendererde über die indigene Bevölkerung Amerikas gelesen, der bei Arena erschienen ist. Ihre Bücher habe ich als Jugendliche endlos geliebt und festgestellt, dass dem immer noch so ist. Crooked Kingdom hat mich leider mit dem Ende ein kleines bisschen enttäuscht, insgesamt war es aber dennoch großartig. Die beiden Geschichten von Shirley Jackson und die Kurzgeschichten von Charlotte Perkins Gilman waren ebenfalls mehr als interessant und sind absolut zu empfehlen. Ich freue mich, von Shirley Jackson noch "The Haunting Of Hill House" vor mir zu haben und will mich dem bald widmen. :) 


Eingetrudelt sind aber neben Crooked Kingdom noch einige mehr. Kernstaub habe ich mir auf der Messe gekauft und von Marie signieren lassen. Dort habe ich mich außerdem ein wenig in die Ausgaben des Penguin Verlags Odyssee und Im Hause Longbourn verliebt und habe mein Glück im Bloggerportal versucht. Into White war eine Vorbestellung gewesen, die ich gerade auch lese. Ich habe lange nicht mehr ein Buch direkt zum Erscheinungstermin gelesen, welches keine Fortsetzung war. Zu guter Letzt ist noch Nichts eingezogen, welches ich lesen will, bevor ich mir mit meiner Theater-Seminar eine Iszenierung anschaue. 


Ich muss zusehen, dass ich die und weitere Bücher noch in diesem Jahr gelesen bekomme - bis zu meinem Ziel von 50 Büchern fehlen mir noch ein paar. Aber noch bin ich guter Dinge. :D Im November freue ich mich außerdem schon sehr auf die neuen Gilmore Girls-Folgen, sowie Fantastic Beasts!
Wie sieht es bei euch aus, wie war euer Oktober so? Waren Bücher dabei, die ich mir nicht entgehen lassen sollte? 
Einen wunderbaren November wünsche ich euch. :) 

10/31/2016

[Erlebt] Elif goes Buchmesse!

Ja, tatsächlich war ich vor einer Woche zum ersten Mal auf einer Buchmesse. Davon träumte ich schon so lange! Anfang des Jahres war eigentlich die Leipziger geplant gewesen, da verlangte mir aber leider eine fiese Grippe mehr Aufmerksamkeit ab. Seitdem war geplant, nach Frankfurt zu fahren. Gesagt, getan. Wie das war und was wir gemacht haben könnt ihr im Folgenden lesen und sehen. :) 


Hingefahren sind wir (Julia, Corinna, Mona und ich) für den Samstag und Sonntag. Im Nachhinein war das keine weise Entscheidung. Ich habe schon davor gemerkt, dass ich einiges verpasse, weil die ganzen Einladungen für Blogger-Events am Freitag waren, die in meinem Mail-Postfach eingetrudelt sind. Leider hätten wir aufgrund der Uni gar nicht früher fahren können - in der ersten Vorlesungswoche sollte man dann doch nicht schwänzen. Jedenfalls sind wir Samstag in aller Frühe aus Bremen los. Falls ihr übrigens je geglaubt haben solltet, dass ein Zug, der um 6 Uhr morgens fährt, nicht ausfallen kann - Irrtum. Und erwartet in Bremen um die Zeit auch nicht, irgendwelche Bahnmitarbeiter zu sehen. Nach einigen Strapazen saßen wir dann aber doch in einem Zug in die richtige Richtung - mit etwa zwei Stunden Verspätung. Dementsprechend waren wir wohl alle etwas gereizt. Als wir dann auch noch auf der Messe ankamen, war das ein kleiner Schock für uns. Samstagmittags scheint die Stoßzeit zu sein, denn wir konnten uns k a u m ein Stück bewegen. Es war einfach so voll! Dazu kommt, dass ich in so großen Menschenmassen schnell erschöpft und genervt bin, sodass wir die ersten Stunden überhaupt nicht genießen konnten. Auch das Bookstagram-Treffen verlief an dem Tag dementsprechend. Falls mich irgendjemand erkannt und als abweisend o.ä. wahrgenommen haben sollte - es lag sicher nicht an dir! :D Wir sind deshalb auch nicht lange geblieben und haben uns weiter umgesehen. Hier greift auch schon mein schlechtes Gedächtnis. Ich könnte euch gar nicht so genau sagen, was wir alles gesehen haben. Zum Glück hab ich am zweiten Tag ein bisschen was aufgeschrieben. Und Fotos wurden natürlich gemacht! An beiden Tagen hat sich uns Susanne von Kinda Bookish angeschlossen, am Samstag war zusätzlich Karo von lin.s_books mit von der Partie. Die ganzen lieben Buchmenschen zu treffen war tatsächlich das Allerbeste, so viel kann ich schon mal vorwegnehmen. 



Nach dem Trubel des Samstags war ich eigentlich fest entschlossen, nie wieder auf eine Messe zu fahren. Zum Glück verlief der Sonntag um einiges besser. Am Samstag hatten wir auch tatsächlich ein paar Dinge auf dem Terminplan (wobei ich das Programm insgesamt eher enttäuschend fand): zu Kerstin Giers Signierstunde wollte Julia sehr gern und ich hatte mir vorgenommen, zu der von Marie Graßhoff und den Leuten von Pietsmiet zu gehen - letzteres für meinen Freund. :) Leider begann der Tag mit einem kleinen Reinfall, weil die Schlange für Kerstin Gier schon um zehn so lang war, dass keiner garantieren konnte, dass jeder rankommt. Deshalb hatte Julia dann doch drauf verzichtet. Zum Glück gab es aber den tollen Drachenmond-Stand, denn da wurden wir beide sehr nett empfangen und zufriedengestellt. Tatsächlich war das für mich der netteste Stand auf der Messe. An dem Stand eines großen Jugendbuchverlages haben wir zum Beispiel eine sehr unangenehme Erfahrung gemacht, als ein Mann älteren Semesters in unserer Gegenwart beschuldigt wurde, Bücher stehlen zu wollen - und ihm kurzerhand eine Security zugewiesen wurde. Ganz anders war es, wie gesagt, beim Drachenmond-Verlag. Ich hab mir im Vorhinein schon Kernstaub gekauft (und dafür einen der schicken Beutel bekommen, die es sonst erst ab 5 Büchern gäbe - aber Kernstaub zählt vielleicht auch für fünf :D) und war dementsprechend für die Signierstunde am Nachmittag gut gerüstet. Auch die war wirklich toll. Marie ist ein ganz lieber Mensch und ich freue mich darauf, bald das Kernstaub-Universum kennenzulernen. 


Zwischendurch war ich am Stand von Droemer Knaur, um das Buch der Pietsmiet-Leute vor der Signierstunde zu kaufen. Ich konnte mein Glück kaum fassen, als ich von meinen adleräugigen Begleiterinnen darauf aufmerksam gemacht wurde, dass die 'Jungs' am Stand saßen. Ich konnte also tatsächlich die Signierstunde umgehen und musste nicht anstehen. :D Das Gespräch sah in etwa so aus: 

Elif: (geht vorsichtig hin und zeigt auf das Buch in ihrer Hand): "Ehm.. Tschuldigung.. Seid ihr das?" 
Einer der Pietsmiets: "Kommt drauf an, worum es geht..."
Elif: "Na ja, ich bin quasi im Auftrag meines Freundes hier, der euch ziemlich mag und schon lange guckt.. könntet ihr das Buch vielleicht jetzt schon signieren?"

Den Rest könnt ihr euch sicher denken. Der, mit dem ich geredet hab, hat sich übrigens als Sep herausgestellt und war sehr freundlich. Die anderen hatten glaube ich nicht ganz so viel Lust auf die ganze Sache, aber gut. Ich fand das nicht so schlimm und hatte am Ende, was ich wollte. Einen neidischen Freund nämlich. :D

Im Laufe des Tages waren wir außerdem am Illumaten, bei der ard-Hörspielbox, bei Penguin (die ihre Bücher mit 50%-100% Rabatt rausgegeben haben), bei Atlantik und erneut beim Bookstagram-Treffen. Alles in allem war der Sonntag wirklich erfolgreich und ein ziemlich guter Messetag. Falls ihr euch übrigens fragt, was der Illumat ist: in einer großen "Kiste" sitzen mehrere Illustratoren, die für kleines Geld deinen Wunsch zeichnen. Wir waren im Laufe des Tages 2x da. Mein erster Wunsch waren zwei ineinander verliebte Pinguine, die auf einem Alpaka reiten. :D Und das Bild sieht herrlich aus. Ich habe gerade kein Foto, werde es aber nachtragen. 





Entgegen meiner samstäglichen Meinung wird das sicher nicht meine letzte Buchmesse gewesen sein. Beim nächsten Mal bin ich aber um einiges schlauer und werde für die Tage hinfahren, an denen ich als Blogger auch an mehr Events teilnehmen kann. Somit hätte ich sicher auch die Chance, noch mehr liebe Buchmenschen kennenzulernen, was für mich in Frankfurt definitiv das Highlight gewesen ist. Sprich: Leipzig, ich habe vor, zu kommen. :D Trotzdem habe ich mich auch hier schon über die kurzen Treffen mit Jule von Miss Foxy Reads, Saskia von Who is Kafka? und Philip von Book Walk gefreut, um mal ein paar zu nennen. :) Hoffentlich werden es nächstes Mal mehr, denn so einige habe ich leider auch verpasst! Ich baue auf Leipzig.  

Wart ihr auf der Frankfurter Buchmesse in diesem Jahr? Falls ihr schon mal beide Messen besucht habt - welche gefiel euch besser? Und habt ihr vor, in Leipzig 2017 dabei zu sein?


Ich hoffe, meine wirren Gedanken haben euch einen kleinen Einblick in unser Wochenende geben können. ❤

PS: Falls ihr euch nach einem Bericht von jemandem mit einem besseren Gedächtnis sehnt - Julias ist um längen besser geworden! :D *klick*
PPS: Auch Susanne hat über die Messe geschrieben, wie ich grad entdeckt habe. Zu ihrem Beitrag geht's hier entlang: *klick*

10/11/2016

Thalia, der Kopp-Verlag und warum ich dort keine Kundin mehr bin

Gestern las ich diesen Artikel, der mich ziemlich ungläubig zurückgelassen hat. Ich habe Thalia ohnehin schon nicht sehr gern, das gebe ich zu. Darüber hatte ich hier schon einmal geschrieben. Aber ich bestelle dennoch öfter online meine Bücher auf Thalia.de und natürlich kann man es in Bremen nicht umgehen, auch mal in einer der zahlreichen Thalia-Filialen Geld zu lassen. 
Aber damit ist es nun erstmal vorbei. Nicht nur, dass Thalia hetzerische und rassistische Bücher bewirbt - nein, das Ganze geschieht auch noch in meiner Stadt. Ohne mich. 
Der Kopp-Verlag führt zum Beispiel Bücher mit dem Titel "Böse Gutmenschen", "Die Asyl-Industrie", "Lügenpresse", "Massenmigration als Waffe" und "Mekka Deutschland - Die stille Islamisierung". Muss ich wirklich mehr sagen? 
Die Geschäftsführung habe das damit begründet: 
„Vielmehr geht es uns bei der Auswahl der Titel, die in der Rubrik ‚Aktuelles‘ zu finden sind, um eine ausgewogene Mischung verschiedenster Perspektiven zu einem aktuell diskutierten Thema, sodass Leser die Möglichkeit haben, sich umfassend zu einem Thema zu informieren, sich mit verschiedenen Blickwinkeln auseinanderzusetzen und sich so eine eigene Meinung zu bilden.“ Dazu gehörten auch Buchtitel, die „umstritten“ seien. (s. taz)
Also das typische Meinungsfreiheitsgelaber. Liebe Leute, ich sag euch mal was. Mit Meinungsfreiheit hat die Verbreitung hetzerischer, rassistischer, ängste-schürender, islam- und 'fremden'feindlicher Bücher nichts zu tun. Dabei ist das eigentlich Schlimme ja nicht einmal, dass die Bücher geführt werden. Ich habe das Grundgesetz nämlich gelesen und weiß, was Pressefreiheit ist. Das eigentlich Schlimme ist, dass sie aktiv beworben werden. Und der Inhalt dieser Bücher widerspricht einfach so vielen Freiheiten, die laut GG festgesetzt sind, dass "Meinungsfreiheit" da einfach nicht mehr greift. Hinter diesem Werben können meiner Meinung nach nur zweierlei Gründe stecken - entweder wird das, was in diesen Büchern steht, gutgeheißen. Oder aber Thalia ist tatsächlich nur an Profit interessiert. Und letzteres scheint mir fast naheliegender, da ich von mehreren Leuten erfahren habe, dass Thalia "von oben" gesagt bekommt, welche Bücher wo auszustehen haben. Oh, in der Gesellschaft gibt es einen Rechtsruck? Toll, können wir mehr Geld mit Kopp-Büchern machen! 
Macht mal. Gleichzeitig verliert ihr aber auch Kund*innen. 

Jetzt werden sich einige denken "Ja, ist uncool, aber muss man ja nicht übertreiben. Schließlich wird niemand zum Kauf gezwungen und jeder muss selber wissen, was er liest". Ich rate mal ins Blaue, dass jene, die das denken, keiner Minderheit angehören. Zumindest die meisten nicht. Ignorieren können ist ein Privileg und ein Luxus. Darüber schweigen zu können ist ein Privileg und ein Luxus. Ich kann nicht schweigen, wenn aktiv Bücher beworben werden, die meine Existenz als "Bedrohung", "Islamisierung", perfiden Plan und was nicht noch alles darstellen. Und deswegen schweige ich auch nicht. Heute ist es der eine Buchhandel, der die Bücher doch bloß ausstellt oder der AfD-Wähler, der halt eine Flüchtlingsunterkunft anzündet - morgen könnte es etwas ganz anderes sein. Ich mag keine deutsche Familienvergangenheit haben, aber so viel Geschichtsbewusstsein habe ich wohl doch, dass ich so etwas nicht tatenlos hinnehme. 

Thalia wird von mir so lange boykottiert, bis dazu ganz klar Stellung genommen wurde. Und ich fordere alle von euch auf, es mir gleich zu tun. Boykottiert, schreibt darüber, schreibt Thalia, macht Druck. Meine Reaktion, mein ganzer Beitrag dazu, mag euch vielleicht als Überreaktion erscheinen. Aber "Kleinvieh macht auch Mist" kann man nicht nur positiv auslegen - und ich hab von braunem Mist wahrlich genug. 

Weitere Artikel zu dem Thema: 

Nachtrag

Übrigens schreibt Thalia hier etwas von einer Verantwortung gegenüber der Gesellschaft:
Unternehmerische Verantwortung ist in der Thalia Bücher GmbH mit einem klaren Bekenntnis verbunden: Handel(n) mit Herz und Verstand. Unser Unternehmen engagiert sich mit vielen kleinen und großen Aktivitäten und Initiativen. Kulturförderung ist dabei ein fester Bestandteil unserer Ethik. 
Und beim Leitbild heißt es weiterhin:
Unsere Unternehmensethik leben wir aktiv und machen sie für unsere Kunden greifbar, denn: Beim Marktführer zu kaufen heißt für unsere Kunden, dass sie bei uns einfach mehr erwarten können. An diesem Anspruch lassen wir uns messen.
»Wer aufhört, besser zu werden, hat aufgehört, gut zu sein.« – Eduard Mörike
Die Doppelmoral lasse ich jetzt mal für sich sprechen. Ich glaube, jene, die für diesen Vorfall bei Thalia verantwortlich sind, sollten sich das nochmal durchlesen und zu Herzen nehmen.  

10/10/2016

[Monatsrückblick] September 2016

Wieso haben wir eigentlich schon Oktober? Schon in zwei Wochen steht die Buchmesse an, ehe wir uns versehen, ist Weihnachten und Silvester und dann müssen wir uns auch schon daran gewöhnen, "17" statt "16" zu schreiben. Dieses Erwachsensein ist manchmal ganz schön nervig - die Zeit rennt wie mein Kaninchen, wenn ich grad geniest habe. 
Wie dem auch sei, erstmal wollen wir auf den September zurückblicken. 


"Gelesen" habe ich diese drei Schmuckstücke, sowie eine Kurzgeschichte. "Six of Crows" war ein Reread und wurde von mir diesmal als Hörbuch genossen, welches mir unglaublich gut gefallen hat! 


The Smell Of Other People's Houses - Bonnie-Sue Hitchcock (254 S.) 
★★★★★

Blauer Hibiskus - Chimamanda Ngozi Adichie (336 S.) [Rezension]
★★★★★

Six Of Crows - Leigh Bardugo (465 S.) [Rezension]
★★★★★

Kurzgeschichten aus Hogwarts: Macht, Politik und nervtötende Poltergeister - J. K. Rowling (74 S.)
★★★★★ 
(4,5)

Die Bücher waren allesamt toll und das scheint sich gerade auch durch den Oktober zu ziehen. Ich habe bereits ein tolles Buch beendet und lese im Moment das Schmuckstück Crooked Kingdom. 


Hiernach möchte ich mich den Büchern widmen, die ich in der letzten Zeit angefangen oder ausgeliehen hab, diese hab ich mir herausgelegt: 


Bis auf "Die Hälfte der Sonne" sind das alles Bücher, die ich bereits angefangen habe zu lesen. Harry Potter rereade ich gerade noch einmal mit der deutschen Ausgabe von der Lesenacht
Ansonsten bin ich momentan dabei, einiges für den Blog zu planen und freue mich, hier wieder ein bisschen mehr Leben in die Bude zu bringen. :) 
Wie war euer September lesetechnisch so? Lest ihr jetzt auch wieder mehr, da es draußen kälter und drinnen gemütlicher wird? Ich bin ja überhaupt kein Freund der kalten Jahreszeiten, aber für mein Lesepensum sind sie dann doch meist ganz nützlich. 
Bis bald!

9/25/2016

[Erlebt] Die Harry Potter-Lesenacht beim Carlsen-Verlag

Als ich jünger war, war ich immer neidisch auf meine Freunde, die die Harry Potter-Bücher nicht nur besaßen, sondern auch mit dem Mitternachtsexpress bekamen. Danach wurde tagelang in der Schulpause über nichts anderes geredet und ich habe sehnsüchtig gewartet, dass die ersten Mitschüler fertig wurden, damit ich mir ihr Exemplar ausleihen und es selbst endlich lesen konnte.
Das klingt jetzt natürlich viel dramatischer, als es das tatsächlich gewesen ist. Ja, meinen Eltern waren die Bücher zu teuer (warum las ich nicht die, die ich besaß, ich hatte doch genug?), aber ich hätte ja durchaus sparen können - das konnte ich aber damals schon nicht so gut. Seitdem ist das so eine kleine Sehnsucht in mir, die ich nie ausleben konnte. Bis zum vergangenen Freitag. 

Der Carlsen-Verlag hat zur Feier des Erscheinens von Harry Potter und das verwunschene Kind eine tolle Lesenacht ins Leben gerufen, zu der um die 300 Leute eingeladen wurden - darunter auch meine Wenigkeit. Nicht nur war es das erste Mal, dass ich an so einem Event dabei sein konnte, nein, es war auch das erste Mal, dass ich ein Harry Potter-Buch direkt kurz nach Mitternacht in der Hand halten durfte. Ein kleiner Kindheitstraum ging also doch noch in Erfüllung. :) 

Die unglaublich netten Carlsen-Mitarbeiter hatten sich mit der Vorbereitung wirklich selbst übertroffen. Zunächst einmal kam die Einladung als originaler Hogwarts-Brief. Endlich, nach so langer Wartezeit! Und nur etwa 14 Jahre zu spät. :D 


Als Vorbereitung drückte ich mich vor dem Lernen für meine anstehende Klausur und versuchte mich an einem Harry Potter-Nail Art: 


Und dann ging es auch schon los. Beim Reingehen musste jeder einen Zettel ziehen und wurde einem Haus zugeordnet - ich bin eigentlich eine ziemliche Hufflepuff (auch laut Pottermore. Übrigens ist mein Patronus ein West Highland Terrier :D), für diesen Abend durfte ich aber Ravenclaw sein. Na, hauptsache nicht Slytherin. ;) 


Es war wirklich viel Liebe zum Detail bemerkbar. Überall standen die Harry Potter-Romane, eine Wand war den Hauselfen (<3) gewidmet, jedes Haus hatte eine eigene Säule, es gab Cocktails mit Vielsafttränken und auch am Buffet war die Kreativität nicht zu übersehen. 




Im Laufe des Abends fand ein Trimagisches Turnier statt, das Slytherin gewann, es gab eine Videobotschaft vom Harry Potter-Entdecker Barry Cunningham persönlich und wir durften dem letzten Kapitel aus Harry Potter und die Heiligtümer des Todes lauschen - genauso wie den ersten Zeilen aus dem neuen Buch, nachdem der Countdown runtergezählt wurde. Mit Konfettiregen begrüßten wir das neue Theaterstück und durften das Buch kurze Zeit später auch schon in den Händen halten. 
Für uns vier ging der Abend damit auch schon wieder zu Ende, weil wir unseren Zug kriegen mussten - aber auch so hatten wir viel Spaß. Ich hatte ehrlich gesagt nicht gewusst, was uns erwarten würde, aber die Liebe zum Detail und natürlich die gemeinsame Leidenschaft für dieses tolle Universum haben das Erlebnis einzigartig gemacht. Ich freue mich sehr, dass ich dabei sein durfte habe grade noch einen After-Potternacht-Blues, den ich mit dem neuen Buch und den kürzlich erschienen drei Kurzgeschichtensammlungen verbringe. 

Wie sieht's bei euch aus, wart ihr auch bei der Lesenacht dabei? Ich habe leider so gut wie niemanden erkannt, aber ich glaube, so ging es vielen. Und habt ihr das verwunschene Kind schon gelesen? Keine Angst vor Spoilern in den Kommentaren, ich habe es auch schon gelesen. :) Was gefiel euch gut und was nicht so? 

Ich hoffe, ich konnte jene von euch, die nicht dabei sein konnten, mit dem Beitrag ein bisschen mitnehmen. Habt noch einen schönen Sonntag! 

9/16/2016

[Rezension] "Blauer Hibiskus" - Chimamanda Ngozi Adichie


Blauer Hibiskus - Purple Hibiscus - Chimamanda Ngozi Adichie - Fischer - 336 S. - 10,99€ - ISBN 978-3-596-032440

Trigger Warnung: Häusliche Gewalt

Das Haus von Kambilis Familie liegt inmitten von Hibiskus, Tempelbäumen und hohen Mauern, die Welt dahinter ist das von politischen Unruhen geprägte Nigeria. Mit sanfter, eindringlicher Stimme erzählt die 15-jährige Kambili von dem Jahr, in dem ihr Land im Terror versank, ihre Familie auseinanderfiel und ihre Kindheit zuende ging. Der erste vielgelobte Roman Adichies, verzweifelt schön und ganz gegenwartsnah. via

Nachdem ich "We Should All Be Feminists" und "Americanah" schon gelesen und geliebt habe, war ich mir ziemlich sicher, dass die anderen Bücher Adichies mich nicht enttäuschen würden. Ich griff zu "Blauer Hibiskus", ohne zu wissen, was mich erwartete - und beendete das Buch innerhalb weniger Tage mit einem Staunen. Adichie liefert wieder eine Leistung ab, die ich anders als mit "Staunen" tatsächlich nicht beschreiben kann. Die Frau kann einfach so gut schreiben. Sie ist eloquent, klug, pointiert und schreibt trotzdem mit einer Bildhaftigkeit, die den Leser direkt in seinen Bann zieht. Ohne Zweifel ist es der Beobachtungsgabe der Autorin geschuldet, dass auch in ihren Figuren immer wieder ähnliche Charaktereigenschaften bemerkbar werden - in diesem Fall in Form von Kambilis Tante Ifeoma. Doch dass sich das Schema "Eine der Figuren ist eine selbständige Frau mit starken Ansichten" zu wiederholen scheint, tut ihren Geschichten nicht im geringsten einen Abbruch. Im Gegenteil, wir brauchen viel mehr solcher Figuren in jeglichen Büchern! Doch während die Tante Ifeoma so emanzipatorische Züge ausweist, ist Kambili, die Protagonistin, das Produkt eines stark gewalttätigen, fundamentalistischen Vaters. Er ist strenger Katholik und schreckt nicht davor zurück, seine Familie zu bestrafen, wenn es in seinen Augen nötig ist. So ist Kambili mit viel Angst, Druck, Geltungsdrang und Zwang aufgewachsen und ist ein stilles, in sich gekehrtes Mädchen. Auch dann noch, als sie ihre Tante und ihre Cousinen besser kennenlernt - sie wächst daran, eine andere Art des Lebens zu sehen, doch es war unglaublich authentisch, dass Kambili nicht direkt zu Anfang beginnt, aus sich herauszukommen, sondern dass sie eine wirklich lange Zeit benötigt, um aus der Rolle herauszukommen, in der ihr Vater sie wissen möchte.  Denn, obwohl dieser Schreckliches tut, liebt sie ihn. Auch das fand ich so authentisch - ihr Vater wird nicht als grundsätzlich schlechter Mensch dargestellt. Er weint sogar, während er seine Familie 'bestraft'. Außerdem spendet er große Summen an Geld, unterstützt ärmere Menschen und ist einer der einzigen im Land, die für eine offen oppositionelle Zeitung schreiben - Nigeria wird zu der Zeit von einem Staatsstreich nach dem anderen heimgesucht. Das Setting fand ich sehr interessiert. Über Nigeria erfährt man sonst nicht so viel, doch das Buch liefert einige Anhaltspunkte, nach denen man sich unbedingt tiefer einlesen möchte. Sehr spannend fand ich die Spaltung der Gesellschaft durch die Vergangenheit mit den westlichen Missionaren. Leute wie Kambilis Vater, die ihnen dankbar dafür sind, ihnen die "richtige" Religion gebracht zu haben und die das andere Lager mit jenen, die die traditionelle Religion ausleben, als heidnisch verurteilen. Wobei das Buch auch Menschen wie Ifeoma zeigt, die beides ausleben - das eine als Tradition und das andere als Religion. Generell gibt es in diesem Buch keine Schwarz-Weiß-Zeichnungen, vielmehr waren alle Figuren und Handlungen Grauschattierungen. Auch nach dem Beenden des Buches habe ich dadurch noch sehr lange darüber nachgedacht. Und bin zum Entschluss gekommen, dass dieses Buch rundum stimmig ist. 
Die Geschichte wird auf eine sehr unaufgeregte und ruhige Art und Weise aus Kambilis Sicht erzählt. Sie versteht für ihr Alter schon sehr viel und gleichzeitig sehr vieles auch nicht. Während man als Leser denkt, dass man an irgendeiner Stelle ganz anders (oder überhaupt) reagiert hätte, agiert sie nach ihren eigenen Erfahrungswerten. Aber genau das macht das Buch auch so besonders. 


Ein rundum authentisches, interessantes und gleichzeitig teilweise erschreckendes Buch über eine Familie und ihre Emanzipation in Nigeria - das ist "Blauer Hibiskus". Fragen zwischen Religion und Tradition, dem Westen und der "Dritten Welt", gut und böse und mittendrin eine Protagonistin, die sich erstmal selbst richtig wahrnehmen muss. Ich habe jede Seite genossen und kann es absolut empfehlen. 5 von 5 Sternen