9/25/2016

[Erlebt] Die Harry Potter-Lesenacht beim Carlsen-Verlag

Als ich jünger war, war ich immer neidisch auf meine Freunde, die die Harry Potter-Bücher nicht nur besaßen, sondern auch mit dem Mitternachtsexpress bekamen. Danach wurde tagelang in der Schulpause über nichts anderes geredet und ich habe sehnsüchtig gewartet, dass die ersten Mitschüler fertig wurden, damit ich mir ihr Exemplar ausleihen und es selbst endlich lesen konnte.
Das klingt jetzt natürlich viel dramatischer, als es das tatsächlich gewesen ist. Ja, meinen Eltern waren die Bücher zu teuer (warum las ich nicht die, die ich besaß, ich hatte doch genug?), aber ich hätte ja durchaus sparen können - das konnte ich aber damals schon nicht so gut. Seitdem ist das so eine kleine Sehnsucht in mir, die ich nie ausleben konnte. Bis zum vergangenen Freitag. 

Der Carlsen-Verlag hat zur Feier des Erscheinens von Harry Potter und das verwunschene Kind eine tolle Lesenacht ins Leben gerufen, zu der um die 300 Leute eingeladen wurden - darunter auch meine Wenigkeit. Nicht nur war es das erste Mal, dass ich an so einem Event dabei sein konnte, nein, es war auch das erste Mal, dass ich ein Harry Potter-Buch direkt kurz nach Mitternacht in der Hand halten durfte. Ein kleiner Kindheitstraum ging also doch noch in Erfüllung. :) 

Die unglaublich netten Carlsen-Mitarbeiter hatten sich mit der Vorbereitung wirklich selbst übertroffen. Zunächst einmal kam die Einladung als originaler Hogwarts-Brief. Endlich, nach so langer Wartezeit! Und nur etwa 14 Jahre zu spät. :D 


Als Vorbereitung drückte ich mich vor dem Lernen für meine anstehende Klausur und versuchte mich an einem Harry Potter-Nail Art: 


Und dann ging es auch schon los. Beim Reingehen musste jeder einen Zettel ziehen und wurde einem Haus zugeordnet - ich bin eigentlich eine ziemliche Hufflepuff (auch laut Pottermore. Übrigens ist mein Patronus ein West Highland Terrier :D), für diesen Abend durfte ich aber Ravenclaw sein. Na, hauptsache nicht Slytherin. ;) 


Es war wirklich viel Liebe zum Detail bemerkbar. Überall standen die Harry Potter-Romane, eine Wand war den Hauselfen (<3) gewidmet, jedes Haus hatte eine eigene Säule, es gab Cocktails mit Vielsafttränken und auch am Buffet war die Kreativität nicht zu übersehen. 




Im Laufe des Abends fand ein Trimagisches Turnier statt, das Slytherin gewann, es gab eine Videobotschaft vom Harry Potter-Entdecker Barry Cunningham persönlich und wir durften dem letzten Kapitel aus Harry Potter und die Heiligtümer des Todes lauschen - genauso wie den ersten Zeilen aus dem neuen Buch, nachdem der Countdown runtergezählt wurde. Mit Konfettiregen begrüßten wir das neue Theaterstück und durften das Buch kurze Zeit später auch schon in den Händen halten. 
Für uns vier ging der Abend damit auch schon wieder zu Ende, weil wir unseren Zug kriegen mussten - aber auch so hatten wir viel Spaß. Ich hatte ehrlich gesagt nicht gewusst, was uns erwarten würde, aber die Liebe zum Detail und natürlich die gemeinsame Leidenschaft für dieses tolle Universum haben das Erlebnis einzigartig gemacht. Ich freue mich sehr, dass ich dabei sein durfte habe grade noch einen After-Potternacht-Blues, den ich mit dem neuen Buch und den kürzlich erschienen drei Kurzgeschichtensammlungen verbringe. 

Wie sieht's bei euch aus, wart ihr auch bei der Lesenacht dabei? Ich habe leider so gut wie niemanden erkannt, aber ich glaube, so ging es vielen. Und habt ihr das verwunschene Kind schon gelesen? Keine Angst vor Spoilern in den Kommentaren, ich habe es auch schon gelesen. :) Was gefiel euch gut und was nicht so? 

Ich hoffe, ich konnte jene von euch, die nicht dabei sein konnten, mit dem Beitrag ein bisschen mitnehmen. Habt noch einen schönen Sonntag! 

9/16/2016

[Rezension] "Blauer Hibiskus" - Chimamanda Ngozi Adichie


Blauer Hibiskus - Purple Hibiscus - Chimamanda Ngozi Adichie - Fischer - 336 S. - 10,99€ - ISBN 978-3-596-032440

Trigger Warnung: Häusliche Gewalt

Das Haus von Kambilis Familie liegt inmitten von Hibiskus, Tempelbäumen und hohen Mauern, die Welt dahinter ist das von politischen Unruhen geprägte Nigeria. Mit sanfter, eindringlicher Stimme erzählt die 15-jährige Kambili von dem Jahr, in dem ihr Land im Terror versank, ihre Familie auseinanderfiel und ihre Kindheit zuende ging. Der erste vielgelobte Roman Adichies, verzweifelt schön und ganz gegenwartsnah. via

Nachdem ich "We Should All Be Feminists" und "Americanah" schon gelesen und geliebt habe, war ich mir ziemlich sicher, dass die anderen Bücher Adichies mich nicht enttäuschen würden. Ich griff zu "Blauer Hibiskus", ohne zu wissen, was mich erwartete - und beendete das Buch innerhalb weniger Tage mit einem Staunen. Adichie liefert wieder eine Leistung ab, die ich anders als mit "Staunen" tatsächlich nicht beschreiben kann. Die Frau kann einfach so gut schreiben. Sie ist eloquent, klug, pointiert und schreibt trotzdem mit einer Bildhaftigkeit, die den Leser direkt in seinen Bann zieht. Ohne Zweifel ist es der Beobachtungsgabe der Autorin geschuldet, dass auch in ihren Figuren immer wieder ähnliche Charaktereigenschaften bemerkbar werden - in diesem Fall in Form von Kambilis Tante Ifeoma. Doch dass sich das Schema "Eine der Figuren ist eine selbständige Frau mit starken Ansichten" zu wiederholen scheint, tut ihren Geschichten nicht im geringsten einen Abbruch. Im Gegenteil, wir brauchen viel mehr solcher Figuren in jeglichen Büchern! Doch während die Tante Ifeoma so emanzipatorische Züge ausweist, ist Kambili, die Protagonistin, das Produkt eines stark gewalttätigen, fundamentalistischen Vaters. Er ist strenger Katholik und schreckt nicht davor zurück, seine Familie zu bestrafen, wenn es in seinen Augen nötig ist. So ist Kambili mit viel Angst, Druck, Geltungsdrang und Zwang aufgewachsen und ist ein stilles, in sich gekehrtes Mädchen. Auch dann noch, als sie ihre Tante und ihre Cousinen besser kennenlernt - sie wächst daran, eine andere Art des Lebens zu sehen, doch es war unglaublich authentisch, dass Kambili nicht direkt zu Anfang beginnt, aus sich herauszukommen, sondern dass sie eine wirklich lange Zeit benötigt, um aus der Rolle herauszukommen, in der ihr Vater sie wissen möchte.  Denn, obwohl dieser Schreckliches tut, liebt sie ihn. Auch das fand ich so authentisch - ihr Vater wird nicht als grundsätzlich schlechter Mensch dargestellt. Er weint sogar, während er seine Familie 'bestraft'. Außerdem spendet er große Summen an Geld, unterstützt ärmere Menschen und ist einer der einzigen im Land, die für eine offen oppositionelle Zeitung schreiben - Nigeria wird zu der Zeit von einem Staatsstreich nach dem anderen heimgesucht. Das Setting fand ich sehr interessiert. Über Nigeria erfährt man sonst nicht so viel, doch das Buch liefert einige Anhaltspunkte, nach denen man sich unbedingt tiefer einlesen möchte. Sehr spannend fand ich die Spaltung der Gesellschaft durch die Vergangenheit mit den westlichen Missionaren. Leute wie Kambilis Vater, die ihnen dankbar dafür sind, ihnen die "richtige" Religion gebracht zu haben und die das andere Lager mit jenen, die die traditionelle Religion ausleben, als heidnisch verurteilen. Wobei das Buch auch Menschen wie Ifeoma zeigt, die beides ausleben - das eine als Tradition und das andere als Religion. Generell gibt es in diesem Buch keine Schwarz-Weiß-Zeichnungen, vielmehr waren alle Figuren und Handlungen Grauschattierungen. Auch nach dem Beenden des Buches habe ich dadurch noch sehr lange darüber nachgedacht. Und bin zum Entschluss gekommen, dass dieses Buch rundum stimmig ist. 
Die Geschichte wird auf eine sehr unaufgeregte und ruhige Art und Weise aus Kambilis Sicht erzählt. Sie versteht für ihr Alter schon sehr viel und gleichzeitig sehr vieles auch nicht. Während man als Leser denkt, dass man an irgendeiner Stelle ganz anders (oder überhaupt) reagiert hätte, agiert sie nach ihren eigenen Erfahrungswerten. Aber genau das macht das Buch auch so besonders. 


Ein rundum authentisches, interessantes und gleichzeitig teilweise erschreckendes Buch über eine Familie und ihre Emanzipation in Nigeria - das ist "Blauer Hibiskus". Fragen zwischen Religion und Tradition, dem Westen und der "Dritten Welt", gut und böse und mittendrin eine Protagonistin, die sich erstmal selbst richtig wahrnehmen muss. Ich habe jede Seite genossen und kann es absolut empfehlen. 5 von 5 Sternen

9/09/2016

[Monatsrückblick] August 2016



Der August war wieder mal kein sehr lesereicher Monat, aber gut, dafür habe ich auch drei Portfolios geschrieben und mit einer Hausarbeit angefangen. Irgendwie mag ich dann zu Hause nicht mehr viel lesen, kennt ihr das? Jedenfalls konnte ich mich aber trotzdem ab und zu mit einem Buch zurückziehen und habe es geschafft, "Americanah" zu beenden. Definitiv ein Jahreshighlight mit Lieblingsbuchpotential! Davor habe ich "Harry Potter and the Cursed Child" dazwischengeschoben, das war ja wirklich ein schnelles Lesevergnügen. Ich muss sagen, ich bin zwiegespalten. Aber ich habe bald Gelegenheit, auch nochmal die deutsche Ausgabe zu lesen (mehr dazu ganz unten) und werde danach ausführlich etwas dazu schreiben. :) Für einen Gedichtband war auch noch Zeit - diesmal fiel die Wahl auf "salt." von Nayyirah Waheed. Nach "Milk and Honey" mein Favorit der letzten Zeit, aber zu den Gedichtbänden ist auch noch ein separater Post geplant. 


Harry Potter and the Cursed Child - John Tiffany/Jack Thorne/J.K.Rowling (301 S.)
★★★☆☆

Americanah - Chimamanda Ngozi Adichie (477 S.)
★★★★★

salt. - Nayyirah Waheed (251 S.)
★★★★★


Was meine Neuzugänge anging, bin ich ein bisschen an offenen Bücherschränken und auf Flohmärkten eskaliert. Was soll ich sagen, sie waren günstig, sie waren da. Don't judge me. :D Das einzige neu gekaufte Buch war "Illuminae", das Hardcover gab es für 9,99€ und ich konnte nicht wiederstehen. Bis auf "Der Fänger im Roggen", welches ich gern im Regal stehen haben wollte, habe ich noch keins der Bücher gelesen. Von oben nach unten: "Homo Faber", "Der Joker", ein immerwährender Jahreskalender vom Kleinen Prinzen, "Der Historiker", "Lehrerkind", "Der Fänger im Roggen", "Erzähler der Nacht" und "Illuminae". 


Und jetzt im September? 
Obwohl die eine Hausarbeit mir noch im Nacken sitzt (apropos sitzen - während ich das hier schreibe, sitze ich in der Bibliothek und sollte eigentlich daran weiterarbeiten...) und darauf noch ein Kolloquium und eine Klausur folgen werden, bin ich lesetechnisch ganz gut dabei. Ich habe schon ein Buch beendet und lese gerade "Blauer Hibiskus" von Adichie. Nebenbei höre ich auf Audible Six of Crows (das hatte ich letztes Jahr gelesen und geliebt), weil Ende des Monats die Fortsetzung erscheint. \o/ Ich bin ziemlich zuversichtlich, dass der September endlich mal wieder ein guter Lesemonat wird. Ist aber auch bitter nötig, ich muss meinem Jahresziel mal ein bisschen näher gekommen. :D 

Wie war euer August so? Und was habt ihr euch für den September vorgenommen? 

Ich bin am 23.9. beim Carlsen-Verlag in Hamburg zur Harry Potter-Lesenacht, um den Erscheinungstermin von Cursed Child gebührend zu feiern. Ich bin schon so gespannt! :) Wird von euch auch jemand da sein? 

7/31/2016

[Monatsrückblick] Juli 2016


Auch diesen Monat bin ich nicht ganz so viel zum Lesen gekommen. Diesmal ist meine Ausrede kurz und knapp: Netflix hat alle Gilmore Girls Staffeln hochgeladen. :D Ich bin bereits bei der 6. Staffel und freue mich schon unglaublich auf die neuen Folgen im November. Außerdem habe ich knapp 200 Seiten in "Americanah" gelesen, aber beenden konnte ich es noch nicht. Angefangen habe ich den Monat mit "Go Set A Watchman". "Americanah" folgte und zwischendurch habe ich zwei Gedichtbände und eine Novelle gelesen. Gedichtbände habe ich in letzter Zeit generell sehr gerne gelesen - dazu ist auch ein Beitrag geplant! 


Go Set A Watchman - Harper Lee (288 S.) [Gedanken
★★★★☆

Teaching My Mother How To Give Birth - Warsan Shire (42 S.)
★★★★★

The Old Man And The Sea - Ernest Hemingway (128 S.)
★★★☆☆

The Princess Saves Herself In This One - Amanda Lovelace (156 S.)
★★★★★

Alle Bücher haben mich auf ihre Art und Weise zum Nachdenken gebracht, weshalb es für mich trotz der mangelnden Quantität ein erfolgreicher Lesemonat war. 
Genauso auch, was die Neuzugänge anging - denn immer, wenn ich Gilmore Girls schaue, denkt sich ein Teil meines Gehirns "Read all the classics!" (deshalb auch Hemingway. Hach, Jess. <3). So auch diesmal. Da ich aber aufgrund der netten Semestergebühr nicht sehr viel Geld zur Verfügung hatte, habe ich von der Unibibliothek Gebrauch gemacht und mir einige Klassiker ausgeliehen:


"Americanah" hat mir außerdem den Anstoß gegeben, mich auch mal nach Klassikern von People of Colour umzusehen, deshalb Chinua Achebe und Maya Angelou. Und wenn man schon Gedichte für sich entdeckt hat, dürfen welche auf der Muttersprache auch nicht fehlen. Ich hoffe, ich schaffe es, alle Bücher zu lesen, bevor die Bib sie wiederhaben will. :) 

"Richtig" einziehen durften aber auch ein paar Schätze:


Jaja, wieder erwähne ich "Americanah", aber das Buch gefällt mir bisher SO gut, dass für mich klar war/ist, dass ich mehr von Chimamanda Ngozi Adichie lesen muss. Deshalb habe ich den Fischer Verlag mal angeschrieben und freundlicherweise nicht nur die beiden von mir angefragten Bücher Die Hälfte der Sonne und Heimsuchungen zugeschickt bekommen, sondern auch Blauer Hibiskus. Ich freue mich schon extrem darauf, die Bücher zu lesen!
Selbst gekauft habe ich mir Frankenstein, Nora / Hedda Gabler (Julia ist Schuld), The Princess Saves Herself In This One und Salt., ebenfalls ein Gedichtband. Die sind für den Kindle sehr preiswert.



Für den August habe ich mir vorgenommen, ein paar mehr Klassiker zu lesen, vor allem die beiden Shirley Jackson-Schätze, die ich noch ausgeliehen habe, aber auch die Bibliotheksbücher. Mal sehen, wie viel ich neben den drei Portfolios schaffe, die ich noch schreiben muss. Aber ich bin zuversichtlich, da ich ja bald meine Freizeit nicht mehr mit den Gilmore Girls verbringen kann. 
Wie war euer Juli so? Habt ihr viel gelesen? Oder eure Freizeit, wie ich, mit Serien verbracht? x) 

7/17/2016

[TAG] Fictional Bookish Girl Squad

Die liebe Valerie hat mich getaggt und ich bin mehr als gerne bereit, meine fiktionale Clique mit euch zu teilen! Die Idee für den Tag finde ich wahnsinnig cool, deshalb vorab: ich tagge Liesa, Sarah, Julia und Karin, sowie alle anderen, die Lust dazu hätten. :) 
Dann wollen wir mal! 


1) Someone who will force you to go out when you want to stay in. 

Mir kam sofort Nina aus Six of Crows in den Sinn. Sie ist so ein Energiebündel, extrovertiert, voller Tatendrang. Ich glaube, mit ihr würde es nie langweilig werden! 

2) Someone who will have your back. 

Ich glaube, ich kenne kaum einen so loyalen und treuen Charakter wie Tatiana aus The Bronze Horseman (zu dt. "Die Liebenden von Leningrad") und den Folgeromanen. Sie darf auf gar keinen Fall in meiner Girl Squad fehlen. Ich glaube, wenn man Tatiana im Leben hat, dann braucht man sich vor kaum etwas zu fürchten.

3) Someone who will help you move. 

Schon bei Loyalität musste ich an Iko aus den Luna-Chroniken denken, doch gerade bei so einer Sache, die sehr viel Organisationstalent und Kraft erfordert, wäre sie die perfekte Begleiterin, ohne zu murren. Iko ftw! 

4) Someone who you can share your problems with, a listening ear. 

Ethel Williams aus der Jahrhundert-Trilogie von Ken Follett. Eine Frau, die so viel erlebt hat (beide Weltkriege, die Erlangung des Frauenwahlrechts aus aktiver Perspektive, den Kalten Krieg und so, so viel mehr!) und so viel Weisheit dadurch erlangt hat wäre sicher die perfekte Ansprechperson für ausnahmslos alles. "Vom Hausmädchen zum Parlamentsmitglied" ist das neue "Vom Tellerwäscher zum Millionär". Ich hätte gerne eine Ethel in meinem Leben!

5) Someone to gossip with. 

Wer wäre da besser geeignet als Penelope Featherington aus der Bridgerton-Reihe? Ich mein, sie ist diejenige, die heimlich eine Kolumne über die gesamte High Society schreibt und kein Blatt vor den Mund nimmt. Nicht nur weiß sie alles, sie ist auch noch spitzzüngig, schlagfertig und witzig. Für den Zweck kann ich mir beim besten Willen niemanden vorstellen, der geeigneter wäre. 

6) Someone to go on holidays with. 

Hier habe ich länger überlegt und mich letztendlich für Mascha aus Der Russe ist einer, der Birken liebt entschieden. Sie spricht so viele Sprachen und besitzt eine so faszinierende Beobachtungsgabe, dass Reisen mit ihr ein besonderes Erlebnis sein muss. 

7) Someone to hang out with quietly. 

Es gäbe keine bessere als Cath aus Fangirl. So wie ich hat auch sie Hobbies, die teilweise online stattfinden. Wir könnten problemlos beieinander sein, jeder seinem Ding nachgehen und uns trotzdem wohl und verstanden fühlen. 

Eigentlich war es das mit den Kategorien, aber ich würde zu gerne eine weitere hinzufügen, weil mir das in meiner Clique ebenso wichtig ist und ich die perfekte Person dafür bereits im Kopf habe:

8) Someone to have passionate discussions with. 

Freunde, mit denen man über Gott und die Welt diskutieren kann, die nicht nur zuhören, sondern auch etwas beitragen, sich ebenso mit diesen Dingen beschäftigen wie du und dich verstehen. Die möchte ich auch keinen Fall missen. Und auch, wenn ich das Buch erst angefangen habe, bin ich mir sicher, dass Ifemelu aus Americanah dafür ideal wäre. Die Gedanken, die sie im Roman hat, sind wahnsinnig scharfsinnig und ich würde zu gern mit ihr stundenlang darüber reden! 



Das war also meine Fictional Girl Squad. Was sagt ihr dazu? Für wen hättet ihr euch entschieden? Ich freue mich über Verlinken zu euren Beiträgen oder Kommentare mit eurer Auswahl! 

7/07/2016

[Gedanken] "To Kill A Mockingbird" & "Go Set A Watchman" von Harper Lee

Vor kurzem las ich den viel gefeierten und überall erwähnten Roman "To Kill A Mockingbird" (zu dt.: "Wer die Nachtigall stört") von Harper Lee und konnte mich den begeisterten Stimmen nicht anschließen. Es brachte mich aber dennoch zum Nachdenken, sodass ich mir auch "Go Set A Watchman" (zu dt.: "Gehe hin, stelle einen Wächter") zu Gemüte führte - das Werk, das Lee ursprünglich geschrieben hatte, das aber nicht veröffentlicht wurde, bis 2015. Damals bat sie der Verlag, aus der Story eine aus Kinderperspektive zu schreiben und entstanden ist "To Kill A Mockingbird", quasi eine Vorgeschichte zu "Go Set A Watchman" (im Folgenden kürze ich beides mit TKAM und GSAW ab). Mir ist aufgefallen, dass viele, die TKAM sehr gemocht haben, GSAW nicht so sehr mochten. Bei mir war es genau andersrum - der Nachfolger gefiel mir um einiges besser und in diesem Post möchte ich ein bisschen aufschlüsseln, warum das so ist. Meine Gedanken sind unsortiert und unausgereift und eine Rezension wird es auch nicht, um das mal vorab zu klären. Spoiler sind nicht zu vermeiden!

Warum gefiel mir "To Kill A Mockingbird" nicht so gut? 

Kurz zur Handlung: In Maycomb leben die Halbwaisen Jean-Louise und Jem mit ihrem Vater, einem Anwalt, und haben eine im Grunde recht schöne Kindheit. Im Buch geht es darum, dass der Vater Atticus von seiner Haushälterin/Nanny, einer Schwarzen, gebeten wird, einen Schwarzen zu vor Gericht zu verteidigen, der zu Unrecht wegen Vergewaltigung angeklagt wird.

Mich haben einige Dinge immens gestört. Dieses Buch wird bis heute als ein Meisterwerk und Vorbild für Anti-Rassismus gesehen - ist aber geschrieben von einer Weißen, die nie von Rassismus betroffen war. Die Schwarzen im Roman sind belanglose Randfiguren. Entweder sind sie zufrieden mit ihrem Leben (zumindest äußert niemand Unzufriedenheit) oder gehen passiv damit um. Es ist der weiße Held in Form von Atticus nötig, damit sie eine kleine Stimme bekommen. Nur ein weißer Mann kann sie retten! Mhm, dieses Narrativ kennen wir zu Genüge. Das ist genau die Art von Anti-Rassismus, mit der sich weiße Menschen wohlfühlen. Denn seien wir mal ehrlich, wir haben alle Rassismen internalisiert. Es ist gar nicht anders möglich, denn wir leben in einer postkolonialen Gesellschaft. Du, ich, offene Rassisten genauso wie der gängige Gutmensch (zu dem ich mich zähle ;)). Die einzige Möglichkeit, so etwas einzudämmen, ist Reflexion. Und irgendwie habe ich das Gefühl, dass nicht viele Leser von TKAM reflektieren, dass selbst hier unbeabsichtigte, internalisierte Rassismen reproduziert werden.
Noch ein paar Worte zu Everyone's Darling Atticus: Ja, auch ich mochte seine Erziehungsmethoden, seinen Rechtssinn, seinen Pazifismus. Aber seien wir mal ehrlich, er war auch nur der Beste in seiner rassistischen Umgebung und akzeptierte den Rassismus als einen Teil dieser. Der Maßstab ist also nicht sehr hoch. Ich konnte nicht nachvollziehen, dass so viele Atticus auf ein Podest stellen, als eine Art Übermensch, der (weiße) Held eben, obwohl er alles andere als fehlerfrei war.
Natürlich behandelt TKAM auch andere Themen - Feminismus (die Protagonistin ist nicht sehr "feminin"), Klassismus, das Leben in den Südstaaten, Familie und Verwandtschaft - aber nach meiner Wahrnehmung eben vor allem Rassismus. Das Buch mag für die 50er-Jahre revolutionär gewesen sein (traurig genug), aber heutige Leser sollten sich der Problematik unbedingt bewusst sein. 


"Go Set A Watchman" und warum ich es um einiges besser fand


Ich habe etwas gebraucht, um in GSAW reinzukommen, aber es hat mir um Längen besser gefallen. Die Protagonistin aus TKAM ist jetzt eine erwachsene, junge Frau und lebt in New York, pendelt ab und zu nach Hause in den Süden. So auch im Roman. Ihr Vater Atticus ist inzwischen sehr alt und bildet einen Sandkastenfreund von ihr aus (ihr Vater ist Anwalt), der sie heiraten möchte. Zu der Zeit ist die NAACP im Süden aktiv und setzt sich für die Gleichberechtigung der Schwarzen ein, was dazu führt, dass sich Stadträte gründen, die dagegen sind und mit dem Ku-Klux-Klan sympathisieren. Nun, Jean-Louise findet heraus, dass ihr Held, die Person, der sie immer bedingungslos vertraut und zu der sie aufgesehen hat, ihr Vater, Teil dieses Stadtrates ist. Genauso wie ihr Fast-Verlobter Hank. Das stürzt sie in ein tiefes Loch der Verzweiflung, denn sie hat von ihrem Vater immer gelernt, dass man jeden Menschen mit dem gleichen Respekt behandeln sollte. Es gibt einen großen Disput, in dem Jean-Louise ihm alles entgegenschmettert, was ihr in den Kopf kommt. Die heftige Reaktion rührt durch ihre große Enttäuschung, war aber genau das, was auch ich empfunden habe - mit dem Unterschied, dass ich vorher schon wusste, dass Atticus ein Rassist ist. Offenbar waren sich aber viele Leser von TKAM dessen auch nicht bewusst, so wie Jean-Louise, denn viele kritisieren an GSAW, dass Atticus eine unrealistische 180°-Drehung machen würde. Was einfach nicht der Fall ist. GSAW zeigt genau das auf, was in TKAM schon angedeutet wurde und was mich da gestört hatte, weshalb ich so froh darüber war, dass GSAW diese Aspekte aufgreift und vertieft. Atticus ist ein Rassist, ein moderater vielleicht, aber er ist trotzdem der Meinung, dass Schwarze und Weiße nicht dieselben Orte besuchen sollten - Schulen, Unis, Cafés, Busse. Und sorry folks, aber das war in TKAM auch schon so. Ihr wolltet es nur nicht sehen. 
Ich fand es ein bisschen unglücklich, dass Jean-Louise' Wut so schnell verpufft. Sie verzeiht ihrem Vater sehr, sehr schnell. Ich konnte sehr gut nachempfinden, dass sie den Kontakt nicht abbrechen konnte und wollte. Ich meine, kennen wir das nicht alle aus unserem Familien- und Verwandtenkreis? Du hörst hier einen rassistischen Kommentar und da einen homophoben und haste nicht gesehen, aber letztendlich ist es deine Familie. Du kannst sie dir nicht aussuchen. Und auch, wenn sie manchmal Mist von sich geben, weißt du, dass es eigentlich gute Menschen sind - wie bei Atticus. Dementsprechend konnte ich wirklich gut nachvollziehen, dass Jean-Louise sich wieder versöhnt. Nur nicht, dass es so schnell geht. 
Außerdem ließe sich noch kritisieren, dass wieder kein schwarzer Charakter so richtig zu Wort kommt und dass Jean-Louise trotzdem auch nicht frei von Rassismus ist, aber GSAW ist viel unverblümter, viel augenöffnender als TKAM. Zumindest habe ich es so empfunden. Alleine funktioniert der Roman aber nicht. 



Alles in allem bin ich froh, beide Romane gelesen zu haben, auch wenn ich sie beide nicht makellos fand und TKAM überbewertet finde - aber genau das ist ja manchmal das Spannende an Büchern, dass sie einen so viel zum Nachdenken anregen und Diskussionen entfachen. Mein Post soll einfach mal eine andere Perspektive auf diese beiden Werke werfen. Außerdem freue ich mich sehr über eure Gedanken dazu: Habt ihr die Romane gelesen? Wie gefielen sie euch? Fielen euch die von mir erwähnten Punkte auch auf oder habt ihr das alles ganz anders wahrgenommen? 

7/02/2016

[Monatsrückblick] Juni 2016


Diesen Monat habe ich tatsächlich mal häufiger zum Buch gegriffen - trotzdem ist nicht ganz so viel dabei rumgekommen, aber das ist okay. Was mir aufgefallen ist: Es war kein einziger gelesener Roman dabei. Zu Ende gehört habe ich zwar einen ("Kinder der Freiheit"), aber dass ich schon so lange keinen mehr gelesen hab, ist wirklich eher ungewöhnlich. Trotzdem waren tolle Bücher dabei, neben dem Hörbuch zwei Sachbücher und ein Gedichtband. 

Kinder der Freiheit - Ken Follett (1216 Seiten)


Für mich ist auch die 6. Stunde - Frau Freitag (288 Seiten) [Rezension]


Milk And Honey - Rupi Kaur (208 Seiten)
(und noch 100 mehr)

Reasons To Stay Alive - Matt Haig (264 Seiten)


Wow, mir fällt jetzt erst auf, dass ich wirklich alle Bücher mit 5 Sternen bewertet habe. Dabei könnten die Bücher alle unterschiedlicher nicht sein und trotzdem war jedes für sich einfach toll. Besonders "Milk And Honey" habe ich mehr als geliebt und werde es sicher noch mehrmals lesen. Ich plane, das Buch auch nochmal gesondert zu "rezensieren" (soweit das bei einem Gedichtband machbar ist). 


Was Neuzugänge anbelangt, bin ich ja immer ganz fleißig dabei, wobei ich diesmal tatsächlich nicht einmal selbst in die Tasche gegriffen habe. Von meinen Kolleginnen hatte ich einen Thalia-Gutschein zum Geburtstag bekommen, den ich direkt online eingelöst habe - mit durften "1984", "The Smell Of Other People's Houses", "Stars Above" und "A Room Of One's Own" (welches ich auf dem Bild vergessen habe). Außerdem gab es nachträglich noch von Liesa "Milk And Honey" und von meinem Freund "Moby Dick". Per Post erreichte mich dann noch "#Post This Book" vom Loewe-Verlag. Auch da werde ich euch nochmal einen besseren Einblick gewähren, witzig ist das Buch jedenfalls. 
Ich finde meine Neuzugänge wirklich wahnsinnig toll und freue mich auf die Bücher! Die Tasse ist übrigens aktuell von Primark, falls ihr euch das schon fragtet. :)

Jetzt im Juli habe ich erstmal wieder zu "Go Set A Watchman" gegriffen, welches ich vermutlich zeitnah beenden werde. Was ich danach oder generell diesen Monat lese, entscheide ich spontan. :)

Wie sieht es bei euch aus? Wie war euer Juni und was steht im Juli so an? 
Eigentlich wollte ich ja schön zu Sommerbüchern greifen, aber das norddeutsche Wetter scheint den Regen lieber zu mögen.